Bank of Japan vor historischer Zinserhöhung
Die Bank of Japan steht vor der wohl wichtigsten Zinsentscheidung seit Jahrzehnten. Märkte rechnen fest mit einer Anhebung – entscheidend dürfte jedoch sein, wie der japanische Notenbankchef den weiteren Zinspfad kommuniziert.
Von der Bank of Japan wird weithin erwartet, dass sie am Freitag (19.12.) ihren Leitzins auf den höchsten Stand seit drei Jahrzehnten anhebt – ein Zeichen wachsenden Vertrauens, ihr Ziel einer stabilen Inflation zu erreichen. Der geldpolitische Ausschuss um Gouverneur Kazuo Ueda dürfte den Tagesgeldsatz zum Ende der zweitägigen Sitzung um einen Viertelprozentpunkt auf 0,75 Prozent erhöhen. Es wäre die erste Zinserhöhung seit Januar und dürfte einstimmig beschlossen werden, nachdem bei den beiden vorangegangenen Sitzungen jeweils zwei Ratsmitglieder eine Anhebung gefordert hatten.
Markterwartungen haben sich verfestigt
Seit Ueda Anfang des Monats ungewöhnlich deutliche Hinweise auf eine bevorstehende Zinserhöhung gegeben hatte, haben sich die Markterwartungen weiter gefestigt. Daten deuten darauf hin, dass der Lohndruck anhält und US-Zölle weniger belastend wirken als zunächst befürchtet. Erstmals seit Beginn von Uedas Amtszeit rechnen alle von "Bloomberg" befragten Beobachter der Notenbank mit einer Zinserhöhung.
Fokus auf den künftigen Zinspfad
Da eine Anhebung weitgehend als ausgemacht gilt, richtet sich der Blick nun darauf, wie Uedas Notenbank den weiteren Zinspfad darstellt. Vertreter der Bank of Japan gehen davon aus, dass selbst bei einer Erhöhung auf 0,75 Prozent noch nicht das sogenannte neutrale Zinsniveau erreicht wäre, wie mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur "Bloomberg" vergangene Woche sagten. Einige Beamte halten auch einen Satz von ein Prozent noch für unterhalb des neutralen Niveaus. Der neutrale Zins ist ein Niveau, das das Wirtschaftswachstum weder stimuliert noch bremst.
Taubenhafte Signale könnten Yen schwächen
Eine Zinserhöhung würde normalerweise die Währung stützen. Da der Schritt jedoch weitgehend eingepreist ist, besteht das Risiko, dass eine taubenhafte Kommunikation zum weiteren Zinsausblick den Yen schwächen könnte. Sollte die Währung erneut in Richtung der wichtigen Marke von 160 Yen je Dollar tendieren, könnte dies die Finanzbehörden dazu veranlassen, eine erneute Währungsintervention in Erwägung zu ziehen.
Gratwanderung für die Notenbank
Falkenhafte Signale der Notenbank könnten dieses Szenario verhindern. Gleichzeitig könnten sie jedoch den jüngsten kräftigen Anstieg der Anleiherenditen neu entfachen – was die Regierung von Premierministerin Sanae Takaichi beunruhigen dürfte, da sie in den kommenden Tagen den Haushalt für das nächste Fiskaljahr ausarbeitet.
Höchster Zins seit 1995
Nach einer Zinserhöhung läge Japans Leitzins auf dem höchsten Stand seit 1995. Damals befand sich das Land in den frühen Jahren einer Nach-Bubble-Phase, die in Jahrzehnte wirtschaftlicher Stagnation mündete. Da sich die Wirtschaft heute in einer deutlich anderen Phase befindet, betritt der Gouverneur faktisch Neuland und dürfte bemüht sein, sich für den weiteren Kurs maximale Flexibilität zu bewahren.
Märkte rechnen fest mit dem Schritt
Overnight-Index-Swaps zeigen, dass Händler diesem Treffen eine Wahrscheinlichkeit von rund 95 Prozent für eine Zinserhöhung beimessen – etwa doppelt so viel wie zu Beginn des vergangenen Monats.
Die geldpolitische Erklärung wird üblicherweise gegen Mittag veröffentlicht, gefolgt von Uedas Pressekonferenz. "Da die Märkte den Schritt bereits eingepreist haben, richtet sich der Fokus auf die Hinweise von Gouverneur Kazuo Ueda auf seiner Pressekonferenz. Wir erwarten, dass er an einer vorsichtigen Tonlage festhält und keine Signale zum Zeitpunkt weiterer Zinserhöhungen gibt", sagt Taro Kimura, Ökonom bei "Bloomberg Economics". (mb/Bloomberg)














