Während China längst den digitalen Yuan testet, kann sich Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), erst in fünf Jahren die Einführung eines digitalen Euro vorstellen. Davon sind die Banken, Fondsgesellschaften und andere Finanzinstitute allerdings überhaupt nicht angetan, im Gegenteil: Bislang überwiegt bei ihnen die Sorge, dass ein digitaler Euro das eigene Geschäftsmodell gefährden könnte, wie eine Umfrage des Center for Financial Studies (CFS) andeutet. 74 Prozent der befragten Fach- und Führungskräfte aus der Finanzbranche schätzen das Risiko für sich selbst als mittel oder gar hoch ein, berichtet die Nachrichtenplattform "Cash.Online". 

Grund für die Skepsis: Die EZB könnte Unternehmen und Haushalten zur Einführung des digitalen Zentralbankgeldes unter Umständen erlauben, bis zu einer bestimmten Grenze Einlagen zentral bei ihr selbst zu halten, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ). Gleichzeitig betont die EZB jedoch, dass sie eine Destabilisierung der Geschäftsbanken durch den digitalen Euro in jedem Fall vermeiden will. Insgesamt gibt es also noch eine Menge Aufklärungsarbeit zu leisten. "Die Umfrage zeigt, dass viele Marktteilnehmer noch kein klares Meinungsbild haben, ob man einen digitalen Euro braucht und wie er ausgestaltet werden sollte", sagt Volker Brühl vom CFS. Er fordert, die Finanzindustrie in das Projekt aktiv und stärker als bisher einzubinden.(fp)