Achtung, Berserker an Bord! So oder so ähnlich umschreiben Flugbegleiter die Situation, wenn sie auf plötzlich herumwütende Reisende treffen. Zu den besonders oft ausrastenden Passagieren zählen nach ähnlichen Vorfällen aus jüngerer Zeit vor allem stressgeplagte Investmentbanker, weiß das Jobportal "Efinancialcareers" zu berichten.

Vergangene Woche war es wieder soweit: Auf seinem Rückflug mit British Airways (BA) von San José nach London hatte C. mit Einschlafproblemen zu kämpfen. Nicht mal die komfortable Business Class konnte den Langstreckenflug für ihn erträglicher gestalten. Schließlich griff er zu einem Mix aus Wein und einem Creme-Whiskey, garniert mit ein paar seiner Ansicht nach harmlosen "Ambien"-Beruhigungstabletten, die er sich kurz vor Abreise bei einem US-Arzt besorgt hatte, berichtet das Onlineportal.

Doch anstatt zu ruhen, warf der 33-Jährige alsbald nach dem Start mit Schokoriegeln um sich, wollte dann auf 11.600 Metern aussteigen und verpasste den Flugbegleitern, als diese ihm davon abrieten, diverse Kopfnüsse. Später konnte er sich an nichts mehr erinnern. Die Jury der anschließenden Gerichtsverhandlung befand den Banker nun für nicht zurechnungsfähig und führte sein seltsames Benehmen auf den fatalen, in einschlägigen Führungskräfte-Portalen trotz der bekannten Nebeneffekte weiterhin empfohlenen Drogencocktail zurück. 

Über den Wolken...
Einen wenn auch schwachen Trost für den Blamierten gibt es: Er ist in verhaltensauffälliger, aber großer Gesellschaft. So wie C.stundenlang eingesperrt in einem Flugzeug zu verbringen, ist für Viele ohnehin der blanke Horror. Top-Angestellte im globalen Investmentbanking bilden da keine Ausnahme - allerdings mit dem Unterschied, dass ihnen berufsbedingt solche Trips ausgerechnet jetzt vermehrt zugemutet werden.

Trotz coronabedingter Widrigkeiten sind Interkontinentalreisen für viele der gutbezahlten Finanzspezialisten Alltag. Der Grund: Die Börsen boomen, was eine Vielzahl an Gesprächen mit emissionswilligen Unternehmen bedeutet, um die damit verbundenen lukrativen Mandate an Land zu ziehen. Hinzu kommt das ebenso florierende Geschäft mit der Beratung übernahmewilliger Firmenkunden. "Das kann dazu führen, dass man innerhalb einer Woche Meetings in New York, Los Angeles, Mailand, Abu Dhabi und London hat", fasst "Efinancialcareers"  zusammen. (fp/ps)