Geht es den Unternehmen schlecht, oder warum gibt es derzeit so viele Aktienrückkäufe? Aus Sicht der Anleger kann das durchaus ein kritisches Zeichen sein – muss es aber nicht, meint Karl Freidl.  "Aktienrückkäufe sind, wenn es die Unternehmensbilanzen ermöglichen, ein gutes Instrument, das das Management nutzen kann oder sogar soll“, sagt der Leiter des Vermögensmanagements beim österreichischen Bankhaus Krentschker.

Hat ein Unternehmen lange Zeit Gewinne thesauriert und beginnt dann plötzlich Gewinne auszuschütten, nährt das manchmal den Verdacht, dass die Wachstumsphase vorüber ist. "So geschehen bei Microsoft, das erstmals 2003 Dividenden auszahlte", erinnert Freidl. Doch Microsoft überzeugte am Ende die Skeptiker: "Obwohl die Dividende pro Aktie laufend angehoben wurde, wurden zusätzlich Aktienrückkäufe getätigt, und es fehlt dem Unternehmen darüber hinaus auch nicht an Investitionskraft." 

Die Niedrigzinsphase beflügelt die Aktienrückkäufe zusätzlich. "Obwohl oft hohe Barmittel vorhanden sind, nehmen Unternehmen zusätzlich günstige Kredite auf, um die geplanten Aktienrückkäufe zu finanzieren“, sagt Freidl. Die Barmittel stünden dann zur Verfügung, wenn sich beispielsweise Übernahmemöglichkeiten ergeben. Unternehmen können so laut Freidls Argumentation flexibler reagieren.

Genau hinschauen
Anleger sollten Unternehmen, die Aktien rückkaufen, dennoch ausgiebig prüfen: "Unternehmen, die schwache operative Ergebnisse haben und auf Basis von Kreditaufnahme und Aktienrückkauf den Gewinn pro Aktie steigern – man könnte es auch 'kaschieren der Gewinndynamik' nennen – , sollte man sich besser zwei Mal ansehen“, sagt Freidl. (fp)