Auf der Suche nach neuen Ertragsquellen erheben immer mehr Geldinstitute "Verwahrentgelte” auf Einlagen. Deutschlandweit berechnen rund 600 Banken und Sparkassen mittlerweile derartige Strafzinsen, wie eine Analyse des Finanzportal Tagesgeldvergleich.net zeigt. Waren vor ein paar Jahren ausschließlich höhere Einlagesummen davon betroffen, werden heute vermehrt auch Privatkunden mit niedrigeren Sparsummen zur Kasse gebeten. 70 Prozent der Kunden halten das für falsch und wollen das Institut wechseln, sobald es Strafzinsen verlangt, zeigt eine Umfrage des Marktforschungsinstituts Yougov im Auftrag des Online-Blogs "Der Bank Blog".

60 Prozent der Befragten seien allerdings noch nicht selbst betroffen, 20 Prozent wissen es nicht, und 15 Prozent rechnen damit, demnächst für ihr Erspartes bezahlen zu müssen. Jene rund sechs Prozent, die von Strafzinsen schon heute betroffen sind, haben ihr Geld vor allem bei Sparkassen geparkt, gefolgt von der Commerzbank und der ING. Der "Bank Blog" vermutet hinter der niedrigen Zahl an betroffenen Kunden, dass Bestandskunden laut einem Urteil des Bundesgerichtshofs derartigen Preiserhöhungen ausdrücklich zustimmen müssen. Daher dürften sich die Kreditinstitute zumindest aktuell noch verhalten geben und eher bei Neukunden abkassieren. 

Betroffene reagieren unterschiedlich
Das könnte sich allerdings bald ändern. Die ING etwa hat im Sommer damit begonnen, Bestandskunden mit einem Guthaben in Höhe von 50.000 Euro um ihre Zustimmung zu "Verwahrentgelten” zu bitten. Wer dies ablehnt, wird gekündigt. Einzelfallbezogene Lösungen würden nicht akzeptiert, berichtet der "Bank Blog". Lediglich 44 Prozent der Betroffenen planen, den Strafzinsen der ING nicht zuzustimmen. Die verbleibenden Kunden rechnen damit, dass andere Kreditinstitute letztlich ebenfalls Strafzinsen erheben werden. (fp)