Die EZB hat die Kapitalmärkte mit dem angekündigten Beibehalten der lockeren Geldpolitik überrascht: "Mit Blick auf die Aktienmärkte entfaltet der Überraschungscoup der EZB bislang allerdings nicht die erhoffte Wirkung", sagt Daniel Hartmann, Chefvolkswirt des Vermögensverwalters Bantleon. "Der Schuss ging vielmehr nach hinten los." Denn statt die Wirtschaft mit billigem Geld weiter zu stärken, hat Draghi nun erst einmal die Sorgen über eine starke wirtschaftliche Abkühlung befeuert.

So machen sich angesichts der EZB-Politik vermehrt Konjunkturängste breit. "Wir sehen uns durch die jüngste Entwicklung in der Einschätzung bestätigt, dass die Risk-off-Stimmung immer noch präsent ist", sagt Hartmann. "Die Anleihenmärkte spiegeln dies bereits wider. An den Aktienmärkten ist zumindest die seit Jahresbeginn anhaltende Erholungsrallye ins Stocken geraten."

EZB rechnet mit nachhaltiger Abkühlung der Wirtschaft
Im Rahmen der jüngsten Notenbanksitzung war die EZB zu der Überzeugung gelangt, dass die wirtschaftliche Schwäche nachhaltiger ist als bislang erwartet. Sie sah sich daher zum raschen Handeln gezwungen.

Die Eintrübung des wirtschaftlichen Ausblicks spiegelte sich in eindrücklicher Weise in den neuen EZB-Projektionen wider. Die BIP-Prognose für das laufende Jahr wurde so scharf nach unten korrigiert wie selten zuvor. Demnach soll das Wachstum lediglich 1,1 Prozent betragen. Im Dezember gingen die Währungshüter noch von 1,7 Prozent aus. (fp)