An den Aktienmärkten geht es weiter aufwärts, der globale Index MSCI World erreichte in der vergangenen Woche sogar ein neues Allzeithoch. Anleger lassen sich von den anhaltenden Wirtschaftsbeschränkungen in vielen Ländern und den nach wie vor hohen Corona-Zahlen offenbar nicht die Laune verderben. Schaut man genau hin, gibt es sogar gute Gründe für diesen Optimismus, sagt Daniel Hartmann, Chefvolkswirt des Fondsanbieters Bantleon. "Die anhaltende Zuversicht der Investoren lässt sich durch mehrere Faktoren erklären."

Erstens konnten die Wirtschaftsdaten der vergangenen Wochen größtenteils positiv überraschen. Sowohl in den USA als auch in der Eurozone präsentierte sich die Konjunktur zu Jahresbeginn robuster als gedacht. "Das zeigt, dass sich die konjunkturellen Bremseffekte der verschärften Kontaktbeschränkungen in Grenzen halten", sagt Hartmann. Auch der Start der Impfkampagnen in vielen Ländern dürfte – selbst wenn er holprig verlaufen ist – zur guten Stimmung an den Märkten beitragen.

Konsum-Boom in Sicht
Hartmann weist darauf hin, dass in den USA bereits rund die Hälfte der Bewohner und Angestellten von Pflegeheimen die erste Dosis eines Corona-Vakzins bekommen hat. "In Deutschland und Italien sind die Zahlen ähnlich", sagt er. Beim Impfen der am stärksten gefährdeten Personengruppen seien also bereits große Fortschritte zu verzeichnen, auch wenn es insgesamt nur langsam voran geht. "Solange die Impfstoffe auch gegenüber den mutierten Coronaviren ihre Wirksamkeit behalten, sehen wir gute Chancen, dass die von der Pandemie ausgehenden Belastungen bald deutlich abnehmen", sagt der Ökonom.

Bei Bantleon hält man es für wahrscheinlich, dass die aktuellen Kontaktbeschränkungen im Laufe des Frühlings gelockert werden. "Dann dürften die umfangreichen Ersparnisse, die von den Konsumenten in den Industrienationen angehäuft wurden, zu einem kräftigen Konsum-Boom führen, der einen dynamischen Konjunkturaufschwung befeuert", prophezeit Hartmann. "Wohlwissend um die Gefahr kurzfristiger Rückschläge sehen wir folglich den aktuell bei Risiko-Assets dominierenden Optimismus als gerechtfertigt an." (fp)