In der Corona-Krise zeigen sich erste Hoffnungsschimmer: In einigen Ländern, darunter Italien und Spanien, ist die Zahl der Neuinfizierten in den vergangenen Tagen weniger stark gestiegen als zuvor. Dieser Trend dürfte anhalten, schätzt und hofft Daniel Hartmann, Chefvolkswirt beim Fondsanbieter Bantleon. "Es wäre schon sehr erstaunlich, wenn die verhängten Ausgangssperren keinerlei Wirkung zeigen", sagt er. Eine abnehmende Zahl von Corona-Neuinfektionen gilt als Bedingung dafür, dass sich die Stimmung an den Finanzmärkten wieder aufhellt. Hartmann ist allerdings skeptisch, ob die bisherige Entwicklung dafür genügt.

Der Ökonom weist darauf hin, dass man das Ausmaß der Folgeschäden der Pandemie immer noch nicht absehen kann. "Die Mehrzahl der Analysten geht zwar inzwischen davon aus, dass es sich um die schwerste Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg handelt", sagt er. "Die Prognosen befinden sich aber immer noch im Fluss und müssen von Tag zu Tag weiter nach unten korrigiert werden." In den USA und in der Eurozone dürfte die Wirtschaft allein im zweiten Quartal um bis zu 15 Prozent einbrechen. Hartmann bezweifelt, dass dieser massive Einbruch in den gesunkenen Aktienkursen bereits vollständig eingepreist ist.

Ein Impfstoff muss her
In den kommenden Wochen dürfte es aus der Wirtschaft weiterhin Hiobsbotschaften hageln. Auch mittelfristig sind die Aussichten düster: "Ein weiteres Problem sind die möglichen Zweitrundeneffekte eines solch schweren Wirtschaftsausbruchs", erklärt der Bantleon-Experte. Konkurse ließen sich trotz riesiger Rettungsschirme kaum vermeiden. So könnte es zwar im zweiten Halbjahr 2020 wieder aufwärts gehen, prognostiziert Hartmann – "aber möglicherweise nicht sehr dynamisch und mit Rücksetzern".

Für Anleger heißt das: Sie sollten weiterhin defensiv positioniert bleiben. Für eine Trendwende an den Märkten bräuchte es deutlich positivere Nachrichten, als es sie zurzeit gibt, urteilt Hartmann. Um die Kurse nachhaltig in die Höhe zu treiben, müsste ein Impfstoff her oder ein neues Quarantäne-Konzept, das mehr Menschen als bisher Bewegungsfreiheit einräumt. "Es bleibt abzuwarten, was hier in den nächsten Wochen geschieht", sagt Hartmann. (fp)