Die jüngsten Entwicklungen bei Einkaufsmanagerindizes (EMIs) weltweit sind alles andere als ermutigend. In der Eurozone ist der Composite-EMI-Index auf ein Fünfjahrestief gerutscht, berichtet Bantleon-Chefvolkswirt Daniel Hartmann. In den USA erlitt das Barometer für das verarbeitende Gewerbe das größte Monatsminus seit 2008. Und in China sind die Industrie-EMIs unter die Expansionsschwelle gefallen. "Ohne Frage befindet sich die Wirtschaft im Abwärtstrend", so Hartmann.

In China sind die Bedingungen allerdings andere als in Europa und den USA. Während es im Westen Ermutigendes zu vermelden gibt, machen in China die Entschuldungskampagne, der Abbau von Überkapazitäten und der Handelskrieg der Wirtschaft stärker zu schaffen als gedacht. "Ablesen lässt sich das spektakulär am Automarkt, der seit 2018 zum ersten Mal seit 30 Jahren wieder geschrumpft sein dürfte", sagt der Bantleon-Ökonom.

Vom Wachstumstreiber zum Bremsklotz
Auch Indikatoren wie Industrieproduktion und Einzelhandelsumsätze befinden sich im Reich der Mitte auf einem so niedrigen Niveau wie lange nicht mehr. "Leidtragende der Nachfrageschwäche sind vor allem die Nachbarländer und die exportierende Eurozone", erklärt Hartmann. "Inzwischen können sich selbst die USA dem Abwärtssog nicht mehr entziehen." China ist von der Wachstumslokomotive zum globalen Bremsklotz geworden.

Die große Frage ist, ob es China gelingt, den konjunkturellen Abwärtstrend zu stoppen. Dann nämlich stehen die Chancen gut, dass die Weltwirtschaft nicht in eine Rezession abrutscht, urteilt Hartmann. Zusätzlich stützend könnte es sich auswirken, dass viele der politischen Krisenherde in den kommenden Monaten an Brisanz verlieren dürften. Hier nennt der Ökonom exemplarisch den Shutdown in den USA sowie die Gelbwesten-Proteste in Frankreich. (fp)