Finanzexperten sehen schwarz für die deutsche Konjunktur: Im August ist der ZEW-Index, der die Konjunkturerwartungen von Finanzmarktanalysten misst, auf den niedrigsten Stand seit acht Jahren gesunken. Steht Deutschland kurz vor einer Rezession? Jörg Angelé, Ökonom bei der Hannoveraner Fondsgesellschaft Bantleon, hält das für nicht sehr wahrscheinlich. "Die größte Krise seit dem Jahr 2012 steht aus unserer Sicht nicht auf der Agenda", sagt er.

Mehrere Gründe sprechen für einen Fehlalarm. So handelt es sich bei den ZEW-Konjunkturerwartungen um ein Barometer, das sehr stark durch die Finanzmärkte geprägt ist und nicht von der Entwicklung der "harten" Konjunkturdaten. "In der Vergangenheit führte das dazu, dass die ZEW-Konjunkturerwartungen zwar konjunkturelle Wendepunkte tendenziell früher signalisierten als beispielsweise der ifo-Geschäftsklimaindex oder die Einkaufsmanagerindizes. Dafür ist der ZEW-Index deutlich schwankungsanfälliger", sagt Angelé. So sei das Barometer zuletzt beispielsweise übermäßig stark von politischen Ereignissen wie dem Handelskrieg geprägt worden.

Positive Konjunktursignale
Konzentriert man sich allein auf die Fakten, scheint es für die deutsche Wirtschaft langsam wieder bergauf zu gehen. Das zeigt unter anderem die Schnelleinschätzung zum deutschen Bruttoinlandsprodukt für das zweite Quartal. "Wie erwartet ging zwar die Wirtschaftsleistung um 0,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal zurück, angesichts des Einbruchs der Industrieproduktion im Vorquartalsvergleich ist das allerdings ein passables Ergebnis", sagt Angelé.

Die mauen Industriedaten erklärt sich der Bantleon-Ökonom vor allem mit dem negativen Wachstumsbeitrag des Außenhandels. Hier deutet sich bereits Besserung an: "Insbesondere mit Blick auf die drei wichtigsten Abnehmerländer deutscher Exporte in der Eurozone – Frankreich, Italien und die Niederlande – gab es zuletzt zahlreiche positive Konjunktursignale", sagt der Bantleon-Ökonom.  

So habe die französische Wirtschaft die Gelbwesten-Proteste vom Winter inzwischen weggesteckt und auch in Italien gebe es Anzeichen für eine konjunkturelle Aufhellung. "Das niederländische BIP ist schließlich im zweiten Quartal zum dritten Mal in Folge um 0,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal gewachsen, womit sich die Niederlande neben Spanien zum wirtschaftlichen Powerhouse in der Eurozone entwickeln." (fp)