In der Eurozone hat sich das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im dritten Quartal 2020 mit einem Plus von 11,5 Prozent besonders kräftig erholt. Der vorangegangene Absturz war allerdings auch besonders tief, gibt Bantleon-Chefökonom Daniel Hartmann zu bedenken. "Bis zum Vorkrisenniveau fehlen noch gut fünf Prozent", sagt er. Und: Die Erholung im Euro-Raum ist fragiler als jene in China oder in den USA. "Das schwächste Glied in der Kette ist wieder einmal Europa", kommentiert Hartmann.

Der Volkswirt geißelt die unentschlossene, zaudernde Art, mit der Europas Regierungen auf das neuerliche Aufflammen der Covid-19-Pandemie reagieren. "Das aktuelle Krisenmanagement erscheint hilflos", sagt er. Alles deute auf einen "Lockdown light" hin, bei dem europaweit sämtliche Freizeitaktivitäten erneut auf null heruntergefahren werden – zum Schaden der Wirtschaft. "Die Belebung ist definitiv ins Stocken geraten", sagt Hartmann.

Fiskalische Stimuli wirken zu langsam
Zwar wollen Regierungen in Europa mit fiskalpolitischen Maßnahmen gegensteuern und die Wirtschaft stützen. "Ein bedeutender Teil der Maßnahmen startet aber erst im kommenden Jahr", erklärt der Bantleon-Ökonom. "Im Ergebnis ist aktuell die Gefahr eines konjunkturellen Rücksetzers im globalen Vergleich in Europa am größten."

Die gute Nachricht für Investoren: Auch die Wahrscheinlichkeit für ein starkes Comeback im nächsten Jahr ist in Europa besonders hoch. Wer jetzt aus Risikoerwägungen heraus aus europäischen Aktien aussteigt, sollte den richtigen Zeitpunkt zum Wiedereinstieg nicht verpassen. Letztlich wird allerdings viel davon abhängen, wie wirksam die neu entwickelten Corona-Impfstoffe sind, schätzt Hartmann. (fp)