Daniel Hartmann, Chefvolkswirt bei Bantleon, sieht US-Aktien trotz kleiner Rücksetzer in der vergangenen Woche immer noch sehr hoch bewertet. Beim S&P 500 liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) mit 26 auf dem Niveau der Dotcom-Blase. "Die hohen Bewertungsniveaus bieten Angriffsflächen für Rückschläge", warnt Hartmann. Die Covid-19-Pandemie ist noch nicht vorbei, auch die anstehenden Präsidentschaftswahlen in den USA könnten an der Wall Street für Unruhe sorgen. Trotz alledem spricht viel dafür, Aktien, und zwar nicht nur US-Titel, weiter überzugewichten.

Das gewichtigste Argument für Aktien ist, dass es schlicht an rentierlichen Alternativen mangelt. "Die Coronavirus-Krise hat das Zinsniveau endgültig in allen entwickelten Volkswirtschaften auf null oder sogar darunter gedrückt", sagt Hartmann. "Hatten die USA, Großbritannien, Kanada oder Australien bis Anfang 2020 noch leicht positive Renditen, sind diese inzwischen auch verschwunden." Am Nullzinsumfeld sollte sich so bald nichts ändern. Die Renditen von Zinspapieren dürften deshalb auf absehbare Zeit tief bleiben. "Bei Aktien hofft man hingegen nach wie vor auf jährliche Erträge von fünf Prozent und mehr", sagt der Bantleon-Ökonom.

Zweiter Lockdown ist unwahrscheinlich
Auch die Konjunkturerholung spricht für ein Investment in Aktien. Konjunkturell läuft es nämlich besser als gedacht. "In vielen Ländern ist es nach den Lockdowns zu einer V-förmigen Erholung gekommen", sagt Hartmann. Sollte die Zahl der Neuinfektionen weiter steigen, steht zwar ein wirtschaftlicher Rückschlag zu befürchten. Die Gesellschaften kommen aber mit der Pandemie inzwischen besser zurecht, sodass neue harte Lockdowns womöglich überflüssig sind, urteilt der Wirtschaftsexperte.

In den USA, Europa und vielen asiatischen Ländern dürfte die Wirtschaftsleistung schon im kommenden Jahr das Niveau von vor der Krise erreichen, prognostiziert Hartmann. Sein Fazit: "Alles in allem ist die Basis für weitere Kursgewinne an den Aktienmärkten gelegt." Der Aufwärtstrend dürfte sich seiner Einschätzung nach bis ins kommende Jahr fortsetzen. (fp)