Wechselkursvorhersagen sind ein heikles Unterfangen. In den vergangenen elf Monaten haben Währungsexperten rund um den Globus die Prognose für das Währungspaar Euro/US-Dollar von 1,25 auf 1,15 nach unten geschraubt. Fundamental mögen die Prognostiker dabei die richtigen Maßstäbe angelegt haben. Die globale Verunsicherung durch einen möglichen Brexit, den Handelsstreit zwischen den USA und China sowie die Unruhen in Hongkong ließen den US-Dollar aber weiterhin als sicheren Hafen profitieren – der Höhenflug setzte sich fort. 2020 könnte er aber ein Ende finden, glaubt Bantleon-Stratege Tobias Frei.

Einen ersten Vorgeschmack gab es Anfang Oktober, als Investoren begannen, extreme Risikoszenarien auszupreisen und der Euro gegenüber dem US-Dollar um knapp drei Prozent aufwertete. Der Trend dürfte sich fortsetzen: "Mit Blick voraus legen die jüngste Veröffentlichung der US-Einzelhandelsumsätze, schrumpfende Unternehmensinvestitionen und negative Wachstumsbeiträge vom Außenhandel nahe, dass das US-BIP-Wachstum im vierten Quartal unter ein Prozent sinken wird", sagt Frei. Das US-Wachstum dürfte sich damit der Mittelmäßigkeit im Rest der Welt angleichen.

Angst vor Rezession
Gleichzeitig kündigen mehrere Frühindikatoren vermehrt eine Stabilisierung der wirtschaftlichen Lage in der Eurozone an. Der Wachstumsimpuls könnte sich im kommenden Jahr somit zugunsten des Euros wenden – vorausgesetzt, es kommt in irgendeiner Form zu einem Abkommen im Handelsstreit. "Das Feld hierfür ist aufgrund der ultraexpansiven Politik der EZB bereits bestellt", sagt Frei. Im weiteren Verlauf des Jahres 2020 hält der Anlagestratege die Marke von 1,18 für Euro/US-Dollar für realistisch. (fp)