Vieles spricht dafür, dass die geldpolitische Expansion im laufenden Jahr ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht hat, sagt Bantleon-Chefvolkswirt Daniel Hartmann. Die großen Notenbanken haben 2020 all ihre Kräfte mobilisiert und Wertpapierkaufprogramme mit einem Volumen von fast zehn Billionen US-Dollar aufgelegt. "Das hat die Weltwirtschaft zweifellos stabilisiert", sagt Hartmann. Zugleich ist die Geldpolitik nun offenbar mit ihrem Latein am Ende.

Im Dezember hat nur die Europäische Zentralbank (EZB) ihr Notfallkaufprogramm noch einmal aufgestockt. Dabei wäre deutlich mehr drin gewesen, und zwar ohne die Verbraucherpreise überschießen zu lassen. "Keine Zentralbank geht davon aus, dass sie ihr Inflationsziel in den nächsten drei Jahren erreichen kann", sagt der Bantleon-Ökonom. Die EZB erwartet im Jahr 2023 im Schnitt einen Verbraucherpreisanstieg von gerade einmal 1,4 Prozent. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) geht für 2022 von minimalen 0,2 Prozent aus. Selbst die Fed ist zurückhaltend: Im kommenden Jahr rechnet sie mit einer Teuerungsrate von zwei Prozent.

Ein paar Milliarden Euro mehr bringen auch nichts
Zusätzliche expansive Maßnahme wären naheliegend, sagt Hartmann. Auf die Nachfrage, warum die US-Notenbank nicht mehr macht, antwortete deren Chef Jerome Powell indes entwaffnend ehrlich: Weil ein paar Milliarden zusätzliche Wertpapierkäufe wohl kaum die Inflation nachhaltig anschieben würden. "Mithin sieht es danach aus, als ob immer mehr Notenbanken dem Beispiel der SNB und der Bank of Japan folgen", analysiert der Bantleon-Experte. "Diese haben sich schon länger damit abgefunden, dass die Inflationsziele allein mit der Geldpolitik nicht erreichbar sind." (fp)