Das Aktienjahr 2021 war von einer starken, wirtschaftlichen Erholung geprägt – das spiegelten auch die Börsen wider. Auch im neuen Jahr könnte es so weitergehen. Rückenwind erhalten Aktien jedenfalls vom konstruktiven makroökonomischen Umfeld. Doch die Kursgewinne sind keine Einbahnstraße, meint zumindest Daniel Hartmann, Chefvolkswirt bei Bantleon. "Neben den steigenden Renditen wird das Aufflammen politischer Risiken immer wieder für Rücksetzer sorgen", warnt der Finanzprofi. 

Auch wenn es für Anleger zumindest in den ersten zwei Quartalen 2022 weiter bergauf gehen dürfte, gerät der breite Aktienmarkt in zunehmend schwieriges Fahrwasser. Der größte Risikofaktor ist laut Hartmann nach wie vor die Pandemieentwicklung. "Noch kann niemand genau abschätzen, wie stark Omikron die Gesundheitssysteme in Europa und in den USA belasten wird", sagt der Ökonom. Andere Risiken sind neben dem schwelenden Ukraine-Konflikt auch die anstehende Präsidentschaftswahl in Italien am 24. Januar. 

Trübe Aussichten ab Mitte des Jahres 
Letztlich sollten die Aktienmärkte aber in den nächsten Wochen vom positiven konjunkturellen Umfeld profitieren, erwartet Hartmann. "Die privaten Haushalte haben in den vergangenen Monaten in Europa und in den USA große Sparrücklagen aufgebaut", erklärt der Experte. Eine gute Arbeitsmarktlage und gestiegene Vermögenspreise ergänzen das derzeit positive Konsumumfeld. 

Drehen dürfte der Wind erst, wenn die Euphorie über eine abebbende Pandemie nachlässt und das weltweite Wachstum abflaut. Damit rechnet Hartmann ungefähr im zweiten Halbjahr 2022. Zu diesem Zeitpunkt dürfte in den USA Vollbeschäftigung erreicht sein und die Inflationsrate immer noch deutlich über drei Prozent liegen. "Entsprechend wird die Fed ihren Kurs der geldpolitischen Straffungen fortsetzen, selbst wenn sich die Konjunktur etwas abkühlt", befürchtet der Vermögensprofi. Immer mehr Investoren dürfte klar werden, dass sich die Finanzmärkte grundlegend wandeln: "Das deflationäre Umfeld mit anhaltend tiefen Renditen ist einem inflationären Umfeld mit steigenden Renditen gewichen." (fp)