Die jüngsten Rekorde an den Aktienmärkten sind vielen Anlegern nicht geheuer – auch, weil des chinesische Coronavirus noch immer nicht unter Kontrolle ist. Im Reich der Mitte standen die Bänder zwischen Ende Januar und Mitte Februar vielerorts fast komplett still. Das belastet die Weltwirtschaft, schließlich spielt China in den internationalen Wertschöpfungsketten eine entscheidende Rolle – vor allem bei Halbleitern, aber auch in der Autoindustrie. "Für weite Teile der Bevölkerung stellt aktuell bereits der Kauf von Nahrungsmitteln eine Herausforderung dar. Wer denkt da schon an ein neues Auto?", sagt Daniel Hartmann, Chefvolkswirt bei Bantleon.

Angesichts dessen erscheint die aktuelle Euphorie an den Aktienmärkten in der Tat irrational – allerdings nur auf den ersten Blick. Bei genauerem Hinsehen gebe es gute Gründe für die Zuversicht der Börsianer, erklärt der Experte. Den künftigen Verlauf des Coronavirus könne zwar niemand exakt vorhersagen. "Das wahrscheinlichste Szenario bleibt aber, dass die Grippewelle innerhalb der kommenden Wochen abebbt und damit ein Großteil der Ausfälle in den nächsten Monaten kompensiert wird", sagt Hartmann.

Ideales Umfeld für Aktien
Darüber hinaus hat die Krise aus Sicht von Investoren auch ihr Gutes: Sie unterbindet jedwede Restriktion in der Makropolitik. Die weltweite Geld- und Fiskalpolitik wird expansiver, China und andere asiatische Volkswirtschaften haben bereits erste Liquiditätsspritzen und Zinssenkungen lanciert. Auch die Federal Reserve und die Europäische Zentralbank halten sich alle Optionen offen. "In Vorwegnahme möglicher zusätzlicher 'Wohltaten' der Geldpolitik haben sich die Renditen und Risikoaufschläge weiter zurückgebildet – die Finanzierungskonditionen sind somit weltweit noch günstiger geworden", erklärt Hartmann.

Insgesamt könnte das Umfeld für Aktien kaum besser sein: Die Inflation ist niedrig, es drohen keine steigenden Zinsen, die Weltwirtschaft dürfte wieder auf die Füße kommen und ab dem zweiten Quartal 2020 sogar dynamischer expandieren als im vergangenen Jahr. "Dies sollte ausreichen, um die Unternehmensgewinne 2020 zu stabilisieren und damit die Investoren erneut mit einem Dividendenreigen zu beglücken", ist Hartmann überzeugt. (fp)