Ein Plus von 1.500 Prozent:  So stark haben Kleinanleger vorübergehend den Kurs der Gamestop-Aktie in die Höhe getrieben. "Gamestop war ein Extrembeispiel", sagt Oliver Scharping, Portfoliomanager bei Bantleon. Aber auch in anderen Teilsegmenten des Marktes seien Anzeichen von Übertreibungen zu entdecken, vor allem bei Titeln, die bei Kleinanlegern in den Vereinigten Staaten beliebt sind. "Mit statistisch extremen Bewertungen, explosiven Preissteigerungen, rasanten Neuemissionen und hysterisch-spekulativem Anlegerverhalten hätte die aktuelle Marktphase theoretisch das Potenzial, als eine der großen Blasen in die Finanzgeschichte einzugehen", sagt Scharping.

Die gute Nachricht: Es gibt noch Marktbereiche, in denen die Lage weniger angespannt ist. In diese Nischen können sich Anleger vor dem großen Knall retten, der womöglich auf die Börsen zukommt. "Value-Aktien hatten relativ gesehen vor der Coronavirus-Pandemie ihr bislang schlechtestes Jahrzehnt", erklärt der Bantleon-Manager. Im vergangenen Jahr betrug die relative Differenz zwischen der Wertentwicklung von Wachstums- und Substanzwerten mehr als 20 Prozentpunkte – ein neuer Negativrekord. "Attraktive Aktien, die ohne Bewertungsexzesse auskommen und teils sogar mit attraktiven Dividendenrenditen glänzen, sind zum Beispiel Roche, Deutsche Telekom, British American Tobacco und Glencore", sagt Scharping.

Billig kann Anleger teuer zu stehen kommen
Unternehmen in Sondersituationen sind jetzt für Investoren ebenfalls interessant, sagt der Portfoliomanager. Als Beispiele nennt er Suez und Rocket Internet. "Auch sogenannte Garantiedividendenwerte wie Kabel Deutschland und Osram können Anlegern Schutz bieten, sollten wir uns wirklich am Höhepunkt einer Blase bei den Lieblingswerten der US-Kleinanleger befinden", sagt er.

Investoren auf der Suche nach Schutz vor Markt-Exzessen sollten allerdings nicht nur auf den Preis einer Aktie schauen. "Unternehmen in Sektoren wie Kreuzfahrt, Flugverkehr oder Hotellerie mögen zwar auf dem Papier günstig erscheinen und haben möglicherweise enormes Aufholpotenzial", sagt Scharping. Allerdings bestehe die Gefahr, dass manche dieser Firmen durch die Covid-19-Pandemie dauerhaft in ihrem Geschäft beeinträchtigt bleiben. (fp)