Schon seit Monaten diskutieren Experten über eine mögliche Inflation. Nun häufen sich die Anzeichen. Vor allem in der Industrie beobachten Experten einen Kostendruck: Der Preis für eine Tonne Kupfer hat mit 10.000 US-Dollar zuletzt sein zehn-Jahres-Rekordhoch erreicht. Auch der Chemiekonzern BASF soll seine Preise im ersten Quartal des laufenden Jahres um 13 Prozent erhöht haben. Zudem sind die Verbraucherpreise gestiegen: In Deutschland liegt die Inflation nun erstmals seit zwei Jahren wieder auf zwei Prozent, auch in den USA ist die Teuerung nun von 1,4 auf 1,8 Prozent geklettert. 

Jerome Powell, Präsident der US-Notenbank Fed, sieht die Inflation nur als vorübergehende Phase. Daniel Hartmann vom Fondsanbieter Bantleon hält die Lage für weniger simpel: "Die Debatte darüber, ob der aktuelle Teuerungsschub nachhaltig oder flüchtig ist, wird uns noch längere Zeit beschäftigen", warnt der Chefvolkswirt im aktuellen Finanzmarktmonitor. In Deutschland sei zwar die Umkehr der Mehrwertsteuersenkung aus vergangenem Jahr mit Schuld an der Teuerung. Dennoch sei "die Basis für einen länger anhaltenden Teuerungsschub" nun gelegt.

Steigende Nachfrage, höhere Löhne
Hartmann nennt für diese These eine Reihe von Gründen: In den USA ist nach US-Präsident Bidens Konjunkturpaket die Nachfrage nach Industriegütern gestiegen, während es Engpässe im verarbeitenden Gewerbe gibt. Ein ähnliches Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage gibt es in der Rohstoff- sowie in der Chipindustrie. Auch neue Projekte für den Klimaschutz könnten die Nachfrage nach Handwerksleistungen und Baumaterialien künftig ankurbeln. Ebenso könnten Hartmanns Ansicht nach höhere Mindestlöhne zu einem Kostendruck und höheren Preisen führen. "Vor diesem Hintergrund gehen wir davon aus, dass die erhöhten Inflationsraten nicht so schnell wieder verschwinden werden", erwartet der Experte. (fp)