Die Angst beherrscht weiterhin das Verhalten vieler Anleger. Die Corona-Pandemie scheint noch lange nicht überstanden und die Folgen sind schwer einzuschätzen. Deswegen flüchten viele Investoren in sichere Häfen, zu denen derzeit auch der US-Dollar zählt. In den vergangenen Jahren hatte die Währung vor allem von sogenannten Carry Trades profitiert: Investoren nahmen Kredite in tiefverzinslichen Währungen auf, um das Geld dann in US-Dollar anzulegen, da dieser lange ein attraktives Zinsniveau bot. "Weder die Zinssenkungen der US-Notenbank Fed, welche den Leitzins innerhalb kürzester Zeit faktisch auf null senkte, noch die massive Ausweitung der Anleihekäufe, die mittlerweile fast das gesamte Spektrum des Kreditmarktes umfassen, konnten den US-Dollar nachhaltig schwächen", beobachtet  Tobias Frei, Portfolio Manager beim Fondsanbieter Bantleon.

Auf den Euro wirkt sich das negativ aus. Der Kurs hat am Donnerstag (16. April) an die Verluste vom Vortag angeknüpft und ist weiter gesunken. Am Morgen wurde die Gemeinschaftswährung bei 1,0875 US-Dollar gehandelt, nachdem der Kurs am Vorabend noch über der Marke von 1,09 Dollar gestanden hatte. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuletzt am Mittwochnachmittag auf 1,0903 US-Dollar festgesetzt. "Die Unterstützungszone im Bereich von 1,0350 bis 1,0550 könnte in den nächsten Wochen nochmals getestet werden", sagt Frei.

Beim US-Dollar geht noch mehr
Die Fed hat mit vielen Zentralbanken, darunter auch die EZB, Swap-Linien geschlossen. Die Notenbanken reichen die US-Dollar-Liquidität wiederum an ihre Geschäftsbanken weiter, sodass ausreichend Liquidität zur Verfügung steht und die US-Dollar-Nachfrage am Devisenmarkt gedämpft wird. "Deswegen ist die Entwicklung des Dollars im Vergleich zu früheren Krisen eher enttäuschend", analysiert Frei. Trotzdem bleibt er bei seiner Prognose: "Der Gleichlauf eines breiten Währungskorbs mit dem ISM-Einkaufsmanagerindex der Industrie ist hoch und im laufenden Monat ist von einem Einbruch des ISM auszugehen. Dies erhöht das Risiko für die Weltwirtschaft und stärkt somit den US-Dollar." (fp)