Seit seinem jüngsten Rekordstand im August 2020 bereitet Gold Anlegern nicht mehr so viel Freude. Der Preis konsolidierte zuletzt bei etwas mehr als 1.700 US-Dollar je Feinunze. Es ist nicht ausgeschlossen, dass das zumindest zum Teil an der Konkurrenz durch den Bitcoin liegt. Manch ein Krypto-Begeisterter hat die Digitalwährung in den vergangenen Monaten zum "besseren Gold" erklärt, meist unter Verweis darauf, dass die Menge der erzeugten Münzen qua Programmierung gedeckelt ist. Bitcoin, so das Argument, sei durch diese Eigenheit ein verlässlicherer Wertspeicher als Gold.

Wie viele Anleger schließen sich der Argumentation der Krypto-Fangemeinde an und wenden sich in der Folge von Gold als "sicherem Hafen" ab? Das lässt sich kaum sagen. "Ob der jüngste kometenhafte Aufstieg der Kryptowährungen dem gelben Edelmetall schadet, ist unklar", erklärt Alexander Posthoff, Portfoliomanager bei Bantleon. Er selbst zweifelt jedenfalls daran, dass Bitcoin und Co. dem Edelmemetall ernsthaft Konkurrenz machen können. "Obwohl Gold wie auch die Kryptowährungen keinen Ertrag bringt, hat es immerhin einen praktischen Nutzen: In vielen industriellen Anwendungen und in der Schmuckindustrie ist es nicht zu ersetzen", sagt der Bantleon-Experte. "Und während Anleger Gold seit Jahrhunderten als Mittel zum Schutz des Vermögens einsetzen, betrachten sie Bitcoin und Co. häufig als rein spekulative Anlage."

Notenbanken könnten verstärkt zugreifen
Posthoff ist sich sicher: "Langfristig bleibt Gold als Sicherheitsanker ein wichtiger Bestandteil einer ausgewogenen Asset Allocation." Dafür sorge ein wichtiger Treiber, der zuletzt etwas in Vergessenheit geraten sei: die Zentralbanken. Im vergangenen Jahr hielten sie sich mit Goldkäufen zurück. Inzwischen dürfte das Interesse an einem Ausbau der Goldreserven aber wieder gestiegen sein, schätzt Posthoff. "Auch deshalb könnte der Goldpreis in den nächsten Jahren ein neues Allzeithoch anpeilen." Bis zum Sommer hält der Bantleon-Manager ein Niveau von etwa 1.850 US-Dollar je Feinunze für möglich. (fp)