Die neue Virusmutation Omikron hat die Finanzmärkte auf Talfahrt geschickt: Weltweit stürzten die Aktienkurse aufgrund der Verunsicherung um die neue Variante ab. In so einer Situation hätte ein erneutes Eingreifen der Zentralbanken wohl kaum jemanden erstaunt. Doch sowohl die US-Notenbank Fed als auch die Europäische Zentralbank (EZB) zeigten sich von der neuen Virusvariante eher unbeeindruckt. Fed-Präsident Jerome Powell verwies auf sein Vorhaben, das Tapering schon bald zu beschleunigen. Und auch EZB-Präsidentin Christine Lagarde sprach erstmalig über höhere Leitzinsen. Damit wird eines immer wahrscheinlicher: Ab Mitte kommenden Jahres dürften die Zinsen anziehen. Grund zur Besorgnis ist das jedoch nicht, denn "vieles spricht dafür, dass Risikoassets dadurch nicht nachhaltig belastet werden", meint Andreas Busch, Ökonom beim Investmenthaus Bantleon. 

Eine Verschärfung der wirtschaftlichen Lage sei nur dann zu erwarten, falls die Notenbanken ihren geldpolitischen Kurswechsel nicht rechtzeitig bekanntgeben würden. Davon ist im Moment jedoch nicht auszugehen, glaubt der Finanzprofi. "Es steht außer Frage, dass die Notenbanken die geldpolitischen Rahmenbedingungen nur sehr langsam straffen werden", sagt Busch. Als Beispiel nennt er etwa den Tapering-Prozess der Fed. Dieser wurde von den Währungshütern mit großem zeitlichem Vorlauf angekündigt. Als dann die Anleihenkäufe im November erstmals reduziert wurden, hat das die Finanzmärkte kaum beeindruckt, erzählt Busch. Darüber hinaus dürften die Leitzinsen nur moderat anziehen, erwartet der Experte. (fp)