Die Bauzinsen richten sich hauptsächlich nach der Rendite zehnjähriger Bundesanleihen – und die bewegt sich seit nunmehr einem Dreivierteljahr kaum von der Stelle. "Folglich bleiben auch die Zinsen für Immobilienkredite im Keller", sagt Michael Neumann, Vorstand des Finanzdienstleisters Dr. Klein. Darlehen mit zehn Jahren Zinsbindung bekommen Häuslebauer derzeit schon für 0,44 Prozent effektiven Jahreszins.

In den kommenden Wochen erwartet Neumann keine Veränderung. Er sehe nichts, was einen Aufwärtstrend anstoßen könnte, sagt er. "Um einen deutlichen Zinsanstieg abseits der üblichen geringfügigen Schwankungen für möglich zu halten, fehlt mir die Fantasie." Wegen der massiven Hilfspakete, mit denen Regierung und Notenbank den durch die Coronakrise beeinträchtigten Konsum ankurbeln wollen, bleiben Immobilienfinanzierungen bis auf weiteres "phänomenal günstig", ist der Zinsexperte überzeugt.

Kein Spielraum für Zinsanhebungen
Im Jahresverlauf rechnen einige Marktbeobachter mit einem leichten Aufwärtstrend bei den Bauzinsen. Der Dr.-Klein-Chef schließt eine solche Entwicklung nicht aus, ist aber eher skeptisch. Er weist darauf hin, dass die Europäische Zentralbank (EZB) selbst im Fall steigender Inflationsraten kaum Spielraum hat, um die Leitzinsen anzuheben. Die hoch verschuldeten Staaten des Währungsraums würden dann Probleme bekommen. "Um die Märkte zu stabilisieren, werden die Notenbanken ihre Programme über einen sehr langen Zeitraum aufrechterhalten und sie nur langsam zurückfahren", sagt Neumann. (fp)