Häuslebauer, die mit Blick auf die Inflationserwartungen und den leichten Anstieg der Rendite zehnjähriger Bundesanleihen nervös werden, können sich beruhigt zurücklehnen. Mit dem Kurs der Bundesanleihe sind zwar auch die Bauzinsen zuletzt leicht angestiegen – doch dabei handelt es sich lediglich um ein vorübergehendes Phänomen. Diese Einschätzung trifft Michael Neumann, Vorstandschef des Baufinanzierungsspezialisten Dr. Klein. Der Experte glaubt: "Das Aufwärtspotenzial ist ausgesprochen eingeschränkt – ich sehe auch längerfristig nur wenig Luft nach oben." Dies liegt unter anderem an der anhaltend lockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Neumann glaubt nicht, dass die Notenbank das Tempo ihrer Anleihekäufe im Rahmen des Corona-Hilfsprogramm PEPP drosseln wird. 

"Ich halte sogar eine Verlängerung des Programms für möglich – denn die Wirtschaft im Euroraum wird bis Ende 2022 brauchen, um das Vorkrisenniveau zu erreichen", sagt Neumann. So lange manipulieren die Anleihekäufe und andere Maßnahmen der Notenbanken den Zins massiv nach unten. "Außerdem wird die Inflationsdynamik im nächsten Jahr wieder ablaufen", sagt der Experte. Damit würde auch der Druck auf die Notenbanken nachlassen, die Zinsen zu erhöhen. Doch selbst wenn die Inflationsraten in diesem Jahr zeitweise ansteigen, geht Neumann nicht von einer Reaktion der EZB aus: "Unter Zugzwang gerät sie erst, wenn es zu einem nachhaltigen und signifikanten Überschreiten der Zwei-Prozent-Marke kommt." Das sei weder in diesem noch im kommenden Jahr wahrscheinlich. (fp)