Als die Covid-19-Pandemie noch ganz am Anfang stand, sagten viele Marktbeobachter das Ende des seit gut einem Jahrzehnt anhaltenden Booms auf dem deutschen Immobilienmarkt voraus, mithin also einen Preisrutsch. So mancher Hausbauer und -käufer dürfte erleichtert aufgeatmet haben. Inzwischen zeichnet sich jedoch ab, dass das Gegenteil der Fall sein könnte – zumindest für einige Kaufinteressenten und potentielle Bauherren.

Denn trotz Pandemie steigen die Preise auf dem deutschen Immobilienmarkt höher und höher. Nach einer Analyse des Berliner Empirica-Instituts zogen die Preise für neu gebaute Eigentumswohnungen im zweiten Quartal 2020 verglichen zum Vorjahr bundesweit um 7,8 Prozent an. "Waren in den Top-7-Städten 2005 noch Eigentumswohnungen für fünf Jahreseinkommen zu haben, werden jetzt zehn und mehr gefordert", rechnet Emprica-Geschäftsführer Reiner Braun in der "Süddeutschen Zeitung" (SZ) vor. Als Beispiel dient ihm eine durchschnittliche Eigentumswohnung (60 bis 80 Quadratmeter, gute Ausstattung) in München, Berlin, Hamburg, Düsseldorf, Köln, Frankfurt am Main oder Stuttgart).

Gleichzeitig wird so manche Bank bei der Kreditvergabe vorsichtiger, stellt die SZ fest. "Wir sehen, dass einzelne Banken Kriterien für die Vergabe eines Kredits bei neuen Finanzierungen etwas angepasst haben, etwa, dass höhere Zinsaufschläge bei wenig Eigenkapital verlangt werden oder dass eine Finanzierung ohne oder mit sehr wenig Eigenkapital nicht mehr möglich ist", sagt Mirjam Mohr, Vorständin des Immobiliendienstleisters Interhyp, der Zeitung. Dass strenger hingeschaut wird, bestätigt auch die vierteljährliche Umfrage der Bundesbank bei den Geschäftsbanken. Laut SZ legte der Anteil der Geldinstitute, die ihre Richtlinien für die Vergabe von privaten Wohnungsbaukrediten verschärften, im zweiten Quartal 2020 deutlich zu.

Auswahl bleibt groß – noch
Manche Banken ziehen beispielsweise einen höheren Sicherheitsabschlag vom Kaufpreis ab, weil sie in Pandemie-Zeiten keine Innenbesichtigung durchführen können. Immerhin: Das gilt nicht für das Gros der Geldinstitute, das seine Vergabekriterien in der Krise weitgehend unverändert gelassen hat. Auch hätten einige dieser Banken "die Veränderungen bereits wieder zurückgenommen", so Mohr. Unterm Strich hätten die Kunden noch genügend Auswahl, um sich eine günstige Finanzierung der eigenen vier Wände zu sichern. (fp)