Hausbesitzer in spe können sich seit Wochen über sinkende Bauzinsen freuen: Die günstigsten Angebote überregionaler Banken für Darlehen mit zehnjähriger Laufzeit betrugen zuletzt laut Zahlen des Kreditvermittlungsunternehmens Dr. Klein 0,56 Prozent, bei regionalen Banken sogar 0,36 Prozent.

Dr. Klein-Vorstandschef Michael Neumann führt die sinkenden Zinsen auf eine Ankündigung der Europäischen Zentralbank (EZB) zurück: "In der ersten Jahreshälfte sind die Baufinanzierungszinsen leicht gestiegen – bedingt durch die Corona-Impfkampagne und positive Konjunkturaussichten", sagt der Bauzins-Experte. "Diesen vorsichtigen Aufwärtstrend hat die EZB mit der neuen Formulierung des Inflationsziels erst einmal abgewürgt."  

Mit ihrer Strategie habe die EZB Marktteilnehmern im Juli zu verstehen gegeben, dass sie ihre expansive Geldpolitik auch bei Inflationsraten oberhalb der Zwei-Prozent-Marke beibehalten wird. Neumann geht davon aus, dass dieser Effekt anhält und dass die Bauzinsen einige Zeit auf ihrem aktuell niedrigen Niveau bleiben werden: "Der Druck auf die EZB durch die steigende Inflation wird zunehmen", erläutert Neumann. "Die EZB wird aber weiter für ein künstlich niedriges Zinsumfeld sorgen, sodass zwar auch wieder höhere Baufinanzierungszinsen möglich sind, aber mit einer nur flauen Dynamik und geringem Aufwärtspotenzial."

Inflation bald rückläufig
Dennoch fürchten viele Bürgerinnen und Bürger, dass Immobilien aufgrund der steigenden Inflation für sie immer weniger erschwinglich werden. Allerdings sieht Neumann hier keinen Zusammenhang: "Ob und wie gut sich Privatpersonen Wohneigentum leisten können, hängt vor allem von der Einkommensentwicklung, den Kaufpreisen und den Bauzinsen ab. Und alle diese Faktoren reagieren nicht auf kurzfristige und vorübergehende Inflationsbewegungen wie wir sie zurzeit sehen." Er rechnet im kommenden Jahr mit einer stark nachlassenden Teuerung. (fp)