Lange Zeit haben niedrige Zinsen den Immobilienkauf attraktiv gemacht. Jetzt wendet sich das Blatt: Die Bauzinsen legen derzeit so stark zu wie lange nicht mehr, berichtet das "Handelsblatt". Bereits im April ließen positive Konjunkturerwartungen und steigende US-Renditen die Zinsen in Deutschland steigen. Im Mai machten die Bauzinsen dann nochmal einen deutlichen Satz nach oben. Seit Anfang des Monats zahlen Immobilieninteressenten für einen Kredit mit zehnjähriger Bindung im Durchschnitt 0,93 Prozent, wie eine Erhebung des Immobilienfinanzierers Interhyp zeigt. Zum Vergleich: Noch zu Beginn des Jahres zahlten Hauskäufer durchschnittlich lediglich 0,65 Prozent Zinsen für ihren Kredit.

Experten sehen Anzeichen dafür, dass weiter nach oben geht. Max Herbst, Chef der FMH-Finanzberatung, erwartet im zweiten Halbjahr 2021 sogar eine Steigerung auf bis zu 1,25 Prozent, schreibt das "Handelsblatt". Aktuell sprächen mehr Faktoren für gleichbleibende oder sogar steigende Zinsen als für einen erneuten Rückgang, heißt es auch von Interhyp. Vor allem wachsende Inflationserwartungen beunruhigen die Experten. Die Verbraucherpreise zogen zuletzt stark an und lassen die Kreditkosten weiter in die Höhe klettern.

Anschlusskredite könnten sich trotzdem lohnen
Immerhin: Im historischen Kontext betrachtet ist Baugeld weiterhin extrem günstig, betonen die Experten von Interhyp. Immobilienbesitzer, die zwischen den Jahren 2011 und 2014 gekauft haben, mussten für ihr Darlehen in der Regel Zinssätze zwischen 2,5 und vier Prozent hinnehmen. Wer heute sorgfältig vergleicht, kann immer noch günstigere Kreditkonditionen vorfinden. Experten vom Magazin "Finanztest" raten Bankkunden deshalb, sich das aktuelle, immer noch niedrige Zinsniveau für eine günstige Anschlussfinanzierung zu sichern. Auch wenn der Anschlusskredit erst in zwei bis drei Jahren fällig werde, könnte sich jetzt ein Abschluss lohnen, sagen sie. (fp)