Der Ruf der Schweizer Banken hat zuletzt gelitten. Ob Greensill-Pleite oder Archegos-Debakel: Namen wie UBS oder Credit Suisse standen prominent in den Schlagzeilen. Herbert Scheidt, Präsident der Schweizer Bankiersvereinigung, sieht dennoch kein strukturelles Problem. "Das sind Einzelfälle, die von den betroffenen Häusern aufgearbeitet werden", sagt er in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (FAS). Er ist sich sicher: "Die Banken hier sind sehr risikobewusst und haben ihre Hausaufgaben seit der Finanzkrise gemacht."

Der Bankenpräsident, der auch Verwaltungsratspräsident der Bank Vontobel ist, sieht sein eigenes Institut vor Skandalen wie denen, mit denen jüngst die Schweizer Konkurrenz auf sich aufmerksam gemacht hatte, gefeit. "Unsere Risikopolitik ist sehr strikt, der Kapitalstock überaus solide, die Wachsamkeit hoch", sagt er. "Vor allem machen wir solche Geschäfte nicht. Wir machen nur das, was wir verstehen, und das mit hoher Qualität."

Das Geld fließt weiter
Nicht nur beim Risikomanagement, auch beim Thema Schwarzgeld haben die eidgenössischen Geldhäuser Scheidt zufolge nachgebessert. Illegale Kassen gebe es keine mehr: "Es ist alles sauber." Seit Einführung des automatischen Informationsaustausches zwischen Schweizer Behörden und Steuerverwaltungen im Ausland im Jahr 2017 mache es für den Fiskus keinen Unterschied mehr, ob jemand ein Konto bei einer Schweizer Bank oder einem ausländischen Kreditinstitut unterhält. Bei Bankkunden aus dem Ausland bleiben die Eidgenossen trotzdem beliebt: Sie verwalten heute rund tausend Milliarden Franken aus dem grenzüberschreitenden Geschäft. "Allein in den letzten fünf Jahren kam Vermögen im Wert von 310 Milliarden Franken aus dem europäischen Ausland zu uns", sagt Scheidt.

Auch ohne den Ruf als Steueroase sei die Schweiz für Vermögensverwaltungskunden attraktiv, betont Scheidt: "Wegen unserer Exzellenz im gesamten Investmentbereich. Wir bieten die bestmöglichen Lösungen für alle Anlegerbedürfnisse." Zu den Vorteilen der Schweiz als Finanzplatz zählt der Deutsche Scheidt den Franken als starke Währung, die Tatsache, dass es seit 150 Jahren keine Währungsreform gab sowie das stabile politische System und die langjährige, historisch gewachsene Erfahrung mit Vermögensverwaltung. (fp)