Experten von Berenberg sehen immer mehr Risiken, die die Finanzmärkte unter Druck setzen könnten. Das Coronavirus, das sich nach wie vor weltweit ausbreitet und eine Volkswirtschaft nach der anderen vorübergehend in die Knie zwingt, ist nur eines davon. Bernd Meyer, Chefstratege im Bereich Wealth und Asset Management bei Berenberg, befürchtet zudem, dass ein Brexit-Deal doch noch scheitern könnte; er warnt vor dem steigenden Risiko eines neuen "Kalten Krieges" zwischen Russland und den USA und weist darauf hin, dass die US-Präsidentschaftswahlen im November zusätzlichen Zündstoff bergen.

Anleger scheinen solcherlei Gefahren derzeit wenig zu kümmern. "Sie treiben die Bewertungen auf Niveaus, die man seit dem Höhepunkt der Technologieblase nicht mehr gesehen hat", sagt Meyer. Dabei zeigen sie eindeutige Präferenzen: Wachstums-, Technologie- und Pharmawerte sowie defensive Titel sind besonders gefragt. Investoren sind sogar so optimistisch, dass sie ihre Absicherungen zurückgefahren haben, berichtet der Stratege. Das macht den Markt bei schlechten Nachrichten anfälliger für erneute Rücksetzer.

Wahlen, Geldpolitik, Konjunktur
Kurzfristig stehen einige Termine an, die Anleger im Auge behalten sollten, sagt Meyer. Am 27. Mai wird die EU-Kommission ihren Vorschlag für einen EU-Wiederaufbaufonds vorstellen. Der 2. Juni ist wiederum in den USA ein wichtiges Datum: Er dürfte wegen der vielen Verschiebungen durch die Corona-Pandemie zum zweiten "Super Tuesday" bei den Vorwahlen der US-Demokraten werden. Am 4. Juni berät dann die Europäische Zentralbank (EZB) über weitere geldpolitische Schritte. In den kommenden Tagen werden zudem mehrere Konjunkturindikatoren für Europa und die USA veröffentlicht. (fp)