Wenn Facebook seine geplante Digital-Währung Libraim Herbst 2020 an den Start bringt, könnte das spürbare Inflationseffekte bei Verbraucher- und Vermögenspreisen haben: "Ob ein solcher Inflationseffekt potentiell gefährlich ist, lässt sich a priori nicht sagen“, so Berenberg-Ökonom Jörn Quitzau.

Wenn Libra von den Nutzern eher als Spielerei oder Ergänzung zu den bestehenden Zahlungssystemen wahrgenommen wird und pro Nutzer nur geringe Libra-Beträge gehalten werden, dürften die Effekte vernachlässigbar sein, schätzt Quitzau. "Sollte Libra aber den Durchbruch schaffen und sich als gleichwertiges oder gar führendes globales Zahlungssystem etablieren, könnte es gravierende Folgen haben", so der Experte weiter.

Facebook würde Geld aus Libra-Käufen anlegen
Grund für den möglichen Effekt: Wer die neue Währung nach ihrem Start nutzen möchte, müsste zunächst Libra Coins kaufen und diese mit einer der etablierten nationalen Währungen wie zum Beispiel US-Dollar oder Euro bezahlen. "Die Libra Association würde den Verkaufserlös vollständig in liquide und sichere Vermögenswerte wie Staatsanleihen investieren, wodurch die Währung gedeckt wäre", erklärt Quitzau. Die so geschaffene Libra-Reserve solle in US-Dollar, Euro, Yen, Pfund und Singapur-Dollar investiert werden.

"Dies wäre ein Akt der Geldschöpfung", so der Analyst weiter. Wenn Facebook-Nutzer zum Beispiel in Europa Libra Coins für 100 Milliarden Euro kaufen würden, entspräche das einer Geldschöpfung in eben dieser Höhe. Denn der 100-Milliarden-Euro-Erlös würde die Libra Association in Wertpapiere beziehungsweise Bankguthaben investieren. Gleichzeitig könnten die Libra-Käufer ihre Coins im Gegenwert von 100 Milliarden Euro für den Konsum nutzen. (fp)