Die zweite Infektionswelle gewinnt an Fahrt, in vielen Ländern Europas stehen neue Lockdowns an. Maske, Abstand, Händewaschen sind ohnehin weiter angesagt. "Solange es keinen wirksamen Impfstoff gibt, haben die Hygiene-Regeln auch eine ökonomische Dimension", urteilt Bert Flossbach, Co-Gründer der Kölner Investmentboutique Flossbach von Storch. Denn je länger es dauert, bis sich die Bürger wieder trauen, zu reisen, in der Innenstadt zu shoppen und Veranstaltungen zu besuchen, desto mehr Geld müssen Regierungen für Hilfsprogramme ausgeben. Und je länger sie diese Hilfen zahlen, desto stärker verschleiern sie die tatsächliche Leistungsfähigkeit von Unternehmen.

Flossbachs Befürchtung: Der von dem Ökonomen Joseph Schumpeter beschriebene Prozess der schöpferischen Zerstörung wird durch die Coronahilfen behindert. "Es droht eine Zombifizierung der Wirtschaft mit vielen halbtoten Unternehmen", warnt der renommierte Vermögensverwalter. "Und natürlich sind auch der Leistungsfähigkeit des Staates Grenzen gesetzt, selbst wenn er sich zinslos neu verschulden kann."

Keine Unterstützung ist auch keine Lösung
Ohne die umfangreichen Finanzspritzen kämen wohl viele Unternehmen nicht durch die Covid-19-Pandemie. Die mit Massen-Insolvenzen verbundenen Kollateralschäden bei Lieferanten, Immobilienbesitzern, Banken und anderen Gläubigern könnten eine erneute Rezession zur Folge haben und sogar das gesamte Finanzsystem ins Wanken bringen, befürchtet Flossbach. Es wird also aller Voraussicht nach weiterhin staatliches Geld fließen.

Die Schuldenberge vieler Länder werden durch die Corona-Krise massiv wachsen. Im Fall steigender Zinsen dürfte so manche Regierung Probleme bekommen, ihren Schuldendienst zu finanzieren. "Dieser Gefahr sind sich auch die Notenbanken bewusst", sagt Flossbach. Die Folge: "Null- und Minuszinsen, die Käufe von Staats- und Unternehmensanleihen haben Bestand." Anleger sollten sich entsprechend positionieren. (fp)