Das Inflationsthema ist allgegenwärtig: Im August lagen die Erzeugerpreise in Deutschland um zwölf Prozent über dem Vorjahreswert – der höchste Anstieg seit 1974. Und die USA verzeichnen bereits seit mehreren Monaten in Folge einen Inflationsanstieg von zumindest fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr. "Die Ursachen für diesen Schub liegen in einer Kombination aus starker Nachfrage und einem pandemiebedingt knappen Angebot vieler Güter sowie einem deutlichen Anstieg der Energie- und Strompreise", sagt Bert Flossbach, Co-Gründer des Kölner Asset Managers Flossbach von Storch und Kapitän des Flaggschifffonds FvS Multiple Opportunities respektive des für den internationalen Vertrieb aufgelegten Fonds-"Klons" FvS Multiple Opportunities II. 

Eine Blitzeinsatz seitens der sonst jederzeit einsatzbereiten Notenbanken scheint außer Reichweite zu sein. Flossbach erklärt, dass vor allem die USA mit großzügigen staatlichen Hilfsprogrammen die Taschen der Konsumenten gut gefüllt haben. Und was zunächst noch gespart wurde, fließt jetzt in den Konsum und treibt damit die Preise. "Nun ist der Geist aus der Flasche und es dürfte schwer sein, ihn wieder einzufangen." Zinserhöhungen seien, wenn überhaupt, in homöopathischen Dosen möglich.

Schuld daran hätten die hohen Staatsschulden sowie ein nach wie vor fragiler, post-pandemischer Aufschwung, die allesamt unter höheren Zinsen extrem leiden würden. Die oft gehörte Erzählung der Notenbanken, dass es sich um einen bloß temporären "Inflationsbuckel" handle, sei nicht länger glaubwürdig, so die Einschätzung des Experten. Und die scheint wohlbegründet zu sein.


Flossbach hat einen Rückblick geworfen auf historische Inflationsprognosen der Notenbanken und diese mir der Realität abgeglichen. Sein Schluss wirkt wenig ermutigend: Denn die Treffsicherheit der Währungshüter ließ seiner Beobachtung zufolge regelmäßig zu wünschen übrig. Dementsprechend kritisiert er die vermeintlich punktgenauen Inflationserwartungen, die derzeit kursieren, beispielsweise in Höhe von 1,7 Prozent für 2022, die die Europäische Zentralbank (EZB) veröffentlicht. "Man muss kein Zyniker sein, um diese Werte als Wunschdenken zu bezeichnen", sagt Flossbach. Derartige Prognosen dürften seiner Einschätzung nach lediglich dazu dienen, die Inflationserwartungen der Menschen in eine gewünschte Richtung zu lenken – also niedrig zu halten. (fp)