Immer wieder sind dieser Tage bei einzelnen Aktien wilde Kurskapriolen zu beobachten. Meist trifft es Titel, die bei Shortsellern beliebt sind, also bei Spekulanten, die mit Leerverkäufen auf einen fallenden Aktienkurs wetten. Hinter den zeitweise heftigen Ausschlägen nach oben stecken oft Kleinanleger, die sich in Internetforen dazu verabreden, genau diese Shortseller in Bedrängnis zu bringen und dabei bestenfalls selbst ordentlich Kasse zu machen – wie etwa im Fall der Gamestop-Aktie. Wenn der Kurs einer Aktie durch überraschende Käufe steigt, statt zu fallen, machen Shortseller Verluste.

Die konzertierten Attacken gegen Leerverkäufer werden von einigen Medien als eine Art David-gegen-Goliath-Geschichte inszeniert. Moralische Wertungen dieser Art verzerren allerdings das Gesamtbild, meint der Kölner Vermögensverwalter Flossbach von Storch. Dem einen oder anderen Shortseller möge ein Dämpfer zwar guttun, heißt es in einem Beitrag auf der Website des Asset Managers. "Letztlich erfüllen sie aber auch eine nicht unwichtige Funktion für den Kapitalmarkt: Sie weisen auf Missstände in einzelnen Unternehmen und Branchen hin." So hatten im Fall Wirecard einige Hedgefonds früh erkannt, dass bei dem vermeintlichen Shooting Star etwas nicht stimmte.

Wer ist hier der Gute?
Nicht nur, dass die Großen in dieser Geschichte nicht unbedingt die Bösen sind – die Kleinen sind auch nicht zwangsläufig die Guten, so Flossbach von Storch. Zumal unter den Investoren, die Shortseller aufs Korn nehmen, ebenfalls einige Hedgefonds zu finden sind. "Vielleicht geht es den Angreifern weniger um das Unternehmen, dessen Aktien sie kaufen, als vielmehr um den schnellen Gewinn?", fragt der Vermögensverwalter. "Dass sie dabei noch den einen oder anderen Hedgefonds ärgern: umso besser. Eine schöne Geschichte."

Bei Flossbach von Storch hält man sich mit einer Bewertung der jüngsten Börsengeschehnisse bewusst zurück. "Wir verkaufen weder Aktien leer, noch verleihen wir Aktien an Investoren, die genau das dann tun", betont der Investmentmanager lediglich. Darüber hinaus weist er darauf hin, dass ein anfälliges Unternehmen ein anfälliges Unternehmen bleibt, auch wenn es vorübergehend zum Objekt eines Anleger-Hypes wird. (fp)