Der Überraschungssieg von Donald Trump hat an der Wall Street eine fulminante Hausse entfacht. Doch ebenso so schnell, wie die Anlegereuphorie kam, könnte sie wieder vorbei sein, meint Bert Flossbach. "Es ist gut möglich, dass die Kurse noch eine Weile steigen. Nachhaltig ist die Entwicklung vermutlich nicht, eher ein Strohfeuer", warnt der Mitgründer des Kölner Vermögensverwalters Flossbach von Storch in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (FAS).

Trumps Plan, die Steuern in den Vereinigten Staaten deutlich zu senken und Milliarden US-Dollar in Infrastrukturprojekte zu investieren, erfreuten die Finanzmärkte dabei nicht völlig zu Unrecht, räumt Flossbach ein. All das verheiße den Unternehmen schließlich höhere Gewinne. "Es profitieren aber nicht alle amerikanischen Firmen gleichermaßen, sondern es gibt Gewinner und Verlierer", erklärt Flossbach gegenüber der FAS.

Zu diesen Verlierern zählt der renommierte Vermögensmanager unter anderem die sogenannten defensiven Aktien –  etwa Immobilienunternehmen, Versorger oder Konsumgüterhersteller. "Die Gewinner waren Aktien von konjunkturabhängigen Unternehmen, aus der Bauindustrie etwa, und ironischerweise die amerikanischen Banken. Letztere könnten von einer erhofften Deregulierung profitieren", meint Flossbach. Wer allerdings erst jetzt auf den fahrenden Börsenzug aufspringe, laufe Gefahr, jäh enttäuscht zu werden.
 

Schizophrene Sichtweise
Interessant sei doch, dass Investoren Trump zwar ernst nähmen, wenn es um seine Steuer- und Investitionspläne geht, sie sich aber nicht vorstellen können, dass er auch seine protektionistischen Ideen in die Tat umsetzen wird. "Die Risiken werden schlicht ausgeblendet", beschreibt Flossbach die riskante Gemengelage an der Wall Street.

Hinzu komme, dass jeder, der sein Geld in konjunktursensible amerikanische Aktien umschichten wollte, dies bereits getan habe. Die Rotation von defensiven in zyklische Aktien sei daher weitgehend abgeschlossen. "Ich befürchte, dass die Kursrally, die Trump ausgelöst hat, sich am Ende in Rauch auflöst. Denn es sind Kräfte am Werk, die auch der künftige Präsident nicht kontrollieren kann", fasst Flossbach zusammen. Vor allem der starke Dollar werde irgendwann zum Problem für US-Unternehmen und für die gesamte amerikanische Wirtschaft. "Zinsanstieg und Dollar-Aufwertung haben also eine natürliche Grenze. Man könnte das mit einem Feuer vergleichen, dem man den Sauerstoff entzieht", sagt der Starmanager im FAS-Gespräch.

Edelmetall als preiswerte Versicherung
Generell hält Flossbach in seinem Flaggschifffonds Multiple Opportunities Aktien solider und ertragreicher Unternehmen wie jener des Schweizer Nahrungsmittelkonzerns Nestlé die Treue –  und setzt trotz der aktuellen Preisschwäche weiterhin auf Gold. "Als Währung der letzten Instanz ist es eine Versicherung, die angesichts des Nullzinsumfelds praktisch nichts kostet", erklärt Flossbach. Das Verlustrisiko sei, ausgehend vom jetzigen Niveau, begrenzt. "Und wenn die Inflation wieder zulegt, dürfte der Goldpreis langfristig zumindest mit der Inflationsrate steigen", so seine Argumentation. (ps)