Unter Anlegern hat sich, angesichts des auch zukünftig dauerhaft niedrigen Zinsniveaus und der fortschreitend lockeren Geldpolitik der Notenbanken, die Erkenntnis gefestigt, dass an Aktien kein Weg mehr vorbei führt. Zumindest nicht für diejenigen, die daran interessiert sind, ihr Vermögen langfristig mindestens wertstabil zu halten oder sogar zu vermehren. Diese durchaus fundierte Erkenntnis hat jedoch einen Haken: "Wenn immer mehr das Gleiche glauben und auch dementsprechend handeln, wächst naturgemäß die Gefahr, dass es anders kommt als gedacht, sprich die Kurse von den bereits erreichten hohen Niveaus erst einmal deutlicher fallen", sagt Bert Flossbach, Mitgründer des Kölner Asset Managers Flossbach von Storch.

Für fallende Kurse könnte es nach Auffassung des Vermögensexperten drei Gründe geben: Nachhaltig einbrechende Unternehmensgewinne, nachhaltig steigende Zinsen und "völlig überzogenen Bewertungen.". Letztere ergäben sich aus den ersten beiden genannten Risiken. "Bei unveränderten Kursen werden Aktien teurer, wenn die Gewinne nachhaltig fallen und die Zinsen steigen", sagt Flossbach. Im vergangenen Jahr seien vor allem die Bewertungen von Technologieunternehmen, deren Indexgewicht in den vergangenen Jahren stetig zugenommen hat, stark gestiegen. "Die Covid-Krise hat nicht nur der digitalen Revolution einen Schub verliehen, sondern auch deren Antizipation durch die Börse beschleunigt und vielen Unternehmen einen Börsenwert verschafft, der erst einmal verdient werden muss", sagt der Manager. 

Im Gleichgewicht bleiben
Um sich vor den genannten Risiken zu schützen rät Flossbach Anlegern, eine Balance zu wahren zwischen Unternehmen mit besonders guten Wachstumsperspektiven, aber vergleichsweise hoch bewerteten Aktien, und Unternehmen mit resilienten Erträgen, aber bescheidenem Wachstumspotenzial, deren Bewertung entsprechend günstig ist. "Ausgangspunkt jeder Analyse sollte deshalb nicht das aktuelle Kurs- oder Bewertungsniveau einer Aktie sein, sondern die Qualität, also die Sicherheit und die Höhe des zukünftigen Ertragspotenzials des Unternehmens", sagt Flossbach. (fp)