Es gibt kein Zurück mehr zu normalen Zinsen. Dies sagt der Mischfondsmanager Bert Flossbach im Interview mit der Wirtschaftszeitung "Handelsblatt". Eine Rückkehr zu früheren Niveaus der Leitsätze sei "nicht ohne gewaltige Kollateralschäden, etwa den Zusammenbruch des Immobilienmarkts", möglich. "Niemand, kein Notenbanker oder verantwortlicher Politiker, wird das riskieren wollen", erläutert der Mitgründer des Kölner Asset Managers Flossbach von Storch.

Hintergrund seien die Stützungsmaßnahmen der Notenbanken im Zuge der Coronakrise. Eine Umkehr von der lockeren Geldpolitik sei nicht mehr denkbar "solange unser Finanz- und Währungssystem Bestand hat", führt Flossbach aus. Die Bekämpfung der wirtschaftlichen Folgen der Pandemie habe aber auch die Haushaltspolitik vieler Staaten verändert. Sogar die Europäische Zentralbank und der Internationale Währungsfonds würden die Regierungen auffordern, Schulden aufzunehmen. "Das zeigt, wohin die Reise geht. Die schwarze Null ist ein Luxus, den man sich schlicht nicht mehr leisten kann", sagt Flossbach dem "Handelsblatt".

"Anleihen sind ein One-Night-Stand"
In der Folge mahnt Flossbach einen anderen Blick auf Anleihen an. Wer mit Renten noch auskömmliche Renditen erzielen wolle, müsse opportunistisch vorgehen und sehr viel aktiver sein. "Anleihen sind keine langfristige Beziehung mehr. Eher eine Affäre, manchmal sogar nur ein One-Night-Stand", so der Investmentprofi aus dem Rheinland. Entsprechend halten er und sein Team Bonds mitunter nur einige Monate im Portfolio. Wohingegen Aktien solider Unternehmen viele Jahre in den Fonds liegen bleiben würden.

Doch er schränkt zugleich ein: "Die Flut hebt nicht alle Boote, auch wenn die vergangenen Handelstage genau das suggerieren." So müssten Aktien sorgfältig ausgewählt werden. Ein erfolgreicher Portfoliolenker müsse das Chance-Risiko-Profil eines jeden Investments möglichst präzise einschätzen können. Dazu sei es nötig, ein möglichst tiefes Verständnis für die Unternehmen zu entwickeln.

"Eine üble Geschichte"
Den Bilanzskandal um den Zahlungsdienstleister Wirecard nennt Flossbach "eine üble Geschichte." Ein solcher Betrug lasse sich aber nur sehr schwer erkennen. "Wir hatten uns das Unternehmen auch angeschaut, weil wir das Geschäftsfeld grundsätzlich interessant fanden", berichtet der Manager dem "Handelsblatt". Abgeschreckt habe aber vor allem die undurchsichtige Unternehmensstruktur. "Wenn die Ertragsentwicklung so gar nicht kalkulierbar ist, dann ist die Aktie eben nur ein Lottoschein. Und auf Glück allein wollen wir uns nicht verlassen." (ert)