Angesichts der Rally bei Technologieaktien fühlt sich manch ein Investor an die Zeit der Dotcom-Blase um die Jahrtausendwende erinnert. Laut Bert Flossbach, Chef der Investmentboutique Flossbach von Storch (FvS), sind es diesmal aber nicht nur "Klicks und euphorisierende Adhoc-Mitteilungen", die die Kurse von Technologieaktien in die Höhe treiben, sondern das langfristige Umsatz- und Ertragspotenzial vieler Technologiefirmen. "Die teilweise spektakulären Kursgewinne einzelner Technologiewerte sind vor allem Ausdruck eines steigenden Optimismus der – gerechtfertigt oder nicht – die Messlatte für das zukünftige Umsatz- und Gewinnwachstum höher legt", sagt Flossbach.

Auch die anhaltenden Niedrigzinsen spielen eine Rolle bei der hohen Bewertung von Tech-Titeln, erklärt der Vermögensprofi. Sie tragen dazu bei, dass sich der Abzinsungsfaktor zukünftiger Gewinne deutlich reduziert, was deren Wert in der Gegenwart massiv erhöht. "Man könnte sagen, dass die Zukunft heute einfach teurer ist als in der Vergangenheit", sagt Flossbach. Seiner Einschätzung nach ist das sogar der Hauptgrund dafür, dass die Bewertungen von Unternehmen mit langfristig hervorragenden Wachstumsaussichten überdurchschnittlich stark gestiegen sind.

Kurse könnten überraschend abstürzen
Die Parallelen zwischen der aktuellen Tech-Hausse und der Dotcom-Blase halten sich also laut Flossbach in Grenzen. Das bedeutet allerdings nicht, dass der FvS-Chef jetzt keine Risiken sieht. So dürften enttäuschende Geschäftsentwicklungen fast zwangsläufig zu überproportional starken Bewertungsrückgängen und damit stark fallenden Aktienkursen führen, prophezeit er. "Das betrifft nicht nur Aktien aus dem klassischen Technologiesektor, sondern auch Unternehmen im Bereich Medizintechnik, Fintechs bis hin zu einzelnen Industrie- und Konsumwerten."

Flossbachs Rat für Anleger: Sie sollten eine Balance wahren zwischen Unternehmen mit hervorragenden Wachstumsperspektiven, aber vergleichsweise teuren Aktien, und Firmen mit widerstandsfähigen Erträgen, aber bescheidenem Wachstumspotenzial und entsprechend niedrigen Bewertungen. (fp)