Die meisten Anleger sind sich mittlerweile bewusst, dass die Zeit auskömmlicher Zinsen vorbei ist und diejenigen, die mehr aus ihrem Vermögen machen wollen, nicht mehr auf ihr Spar- oder Girokonto setzen können. Auch die Generation über 50, die sogenannten Best Ager, weiß das – zumindest theoretisch. In der Praxis fällt es ihnen jedoch weiterhin schwer, sich von alt Bewährtem zu lösen. "Hier hat sich über viele Jahre eine psychologische Konditionierung verfestigt, die diese Generation in der Geldanlage versagen lässt", sagt Nikolas Kreuz, Geschäftsführer beim Vermögensverwalter Invios. So wurde die Generation über Jahrzehnte hinweg davon überzeugt, dass das Geld auf dem Sparbuch hohe Zinsen bringt. Dabei handele es sich um eine klassische Fehlkonditionierung, sagt Kreuz.

Befeuert wird diese vom Herdentrieb. "Im Freundeskreis werden die gleichen Verlust- und Risikoängste geteilt, die Menschen bestärken sich in ihrem Verhalten", erklärt der Vermögensexperte. Bei den Best Agern überwiegt die Angst vor Verlusten durch Anlagen am Aktienmarkt. "Das Ersparte bleibt auf dem Spar- oder Girokonto liegen, auch wenn es unrentabler Kokolores ist und statt guter Zinsen sogar Minuszinsen anfallen", sagt Kreuz. Noch immer ist die beliebteste Anlageform der Deutschen das Sparkonto, direkt gefolgt vom Girokonto. Das zeigt eine Studie der Postbank. Diese kommt außerdem zu dem Ergebnis, dass den Deutschen in erster Linie Sicherheit bei der Geldanlage wichtig ist. 

Risikoarme Alternativen
Dabei müssen Best Ager nicht einmal auf volles Risiko setzen, um ihre Geldanlage zu optimieren. "Wenn man unbedingt die Inflation negieren will, reicht es aus, Plattformen zu suchen, die dem Kunden keine Negativverzinsungen in Rechnung stellen", sagt Kreuz. Auch monatliche Festgelder mit minimaler, positiver Verzinsung, kurzlaufende Geldmarkt-ETFs oder Investment-Grade-Anleihen könnten eine temporäre Opportunität darstellen. (fp)