Bis das endgültige Wahlergebnis feststeht, dürften zwar noch zwei Monate ins Land ziehen. Doch schon jetzt scheint es, als könnte der amtierende US-Präsident Donald Trump seinen Platz im Weißen Haus für Konkurrent Joe Biden freiräumen müssen. Zugleich dürfte den Demokraten die Mehrheit im Senat aber verwehrt bleiben. Der Weg zu einem demokratischen Konjunkturprogramm bleibt damit mit großer Wahrscheinlichkeit blockiert, sagt John Vail, Chefanlagestratege bei Nikko Asset Management.

Der Experte sieht einen möglichen Sieg von Biden mit gemischten Gefühlen. Der Demokrat hätte zwar selbst ohne Kongressmehrheit die Möglichkeit, alle Executive Orders von Trump zu annullieren. Regionale Gerichte könnten ihm aber auch diese Macht beschneiden. Auch bestimmte gesetzliche Änderungen könnten auf diese Weise blockiert werden, wie im Fall Trump häufig geschehen. "Eines ist so gut wie sicher: Die Medienbranche wird angesichts all dieser Unsicherheit und einer wahrscheinlich noch tieferen Spaltung des Landes weiter florieren", sagt Vail.

Kein Grund zur Sorge – vorerst
Immerhin: Viele Unternehmen dürften auch in einer derart festgefahrenen Situation gedeihen, solange es weiterhin steuerliche und monetäre Anreize gibt und Unruhen ausbleiben. "Bisher scheint es im 4. Quartal wenig Grund zu geben, mit enttäuschenden Gewinnen zu rechnen, und letztendlich sind die erwarteten Unternehmensgewinne die wichtigsten Determinanten der Aktienentwicklung", sagt der Stratege. Sorgen bereitet ihm dagegen die mangelnde Aufmerksamkeit des Marktes für die Tatsache, dass viele der jüngsten Mega-Fusionen aus Wettbewerbsgründen blockiert werden könnten – insbesondere im Technologiesektor. (fp)