Wer dieser Tage in Kryptowährungen investiert, braucht Nerven aus Stahl. Bitcoin, die wichtigste Währung der neuen Digitalwelt, sackte am Mittwoch (19. Mai) zeitweilig bis zu 30 Prozent auf 30.066 US-Dollar ab – das niedrigste Niveau seit Ende Januar, berichtet "Der Spiegel". Zum Vergleich: Noch Mitte April hatte die Digitalwährung ein Rekordhoch von knapp 65.000 Dollar erreicht. Auch die zweitgrößte "Kunstdevise" Ether geriet erheblich nter Druck. Der Grund: Gleich zwei einflussreiche Stimmen haben Kritik an den Kryptowährungen geäußert. Zum einen wäre das die Volksrepublik China. Über den WeChat-Kanal der chinesischen Zentralbank verkündeten gleich drei fernöstliche ndustrieverbände, dass Digitalwährungen nicht als Zahlungsmittel genutzt werden dürfen, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ). 
 
China gilt eigentlich als Vorreiter für Kryptowährungen, weil das Land mit Hochdruck an einer eigenen Digitalwährung arbeitet. Bitcoin und Co. würden laut den Industrieverbänden jedoch gegen die Sicherheit des Volkseigentums verstoßen und die Ordnung der Wirtschaft und des Finanzwesens stören. Das Timing der Äußerungen hätte für die Kryptowelt kaum schlechter sein können. Denn vor wenigen Tagen kritisierte bereits Tesla-Chef Elon Musk das digitale Geld. Er bemängelte vor allem die wegen des hohen Energieverbrauchs beim Schürfen verheerende Umweltbilanz der Währungen und verkündetet, dass Tesla Bitcoin nicht länger als Zahlungsmittel akzeptieren werde. Die Ankündigung kam für enigermaßen überraschend, denn erst Ende Februar hatte Musk verkündet, Bitcoin als Zahlungsmittel zu akzeptieren und selbst umfangreich investiert zu haben.
 
Anleger flüchten in Gold
Die Skepsis wächst, auch unter Anlegern. Die starke Volatilität am Kryptomarkt trieb einige Investoren in die "Antikrisenwährung" Gold, berichtet "Der Spiegel". Das Edelmetall verteuerte sich am Mittwoch um 0,8 Prozent auf 1884 Dollar je Feinunze. Was die Nervosität zusätzlich befeuerte war die Tatsache, dass der weltweit bekannteste Handelsplatz für Kryptowährungen in den USA, Coinbase, zwischenzeitlich für viele Nutzer nicht erreichbar. Inzwischen sind die Störungen allerdings behoben.

Trotz des Minicrashs sind Beobachter zuversichtlich, dass ein weiterer Bitcoin-Absturz ausbleibt. "Rund die Hälfte aller Marktteilnehmer sind langfristige Investoren, die den Vermögenswert vor mehr als einem Jahr gekauft haben. Der meiste Verkaufsdruck kommt von Neueinsteigern und gehebeltem Handel", sagt Eliézer Ndinga, Analyst beim Krypto-Asset-Manager 21shares. Bitcoin sei zudem in vielerlei Hinsicht ein besseres Asset als Gold. "Es ist digital nativ und überall mit einer Internetverbindung zugänglich, es ist transparenter, überprüfbar, programmatisch knapp und einfacher zu lagern." (fp/ps)