Bitcoin in den Währungsreserven? Notenbank prüft Beimischung
Tschechiens Notenbankchef erwägt weiterhin eine Bitcoin-Beimischung in den Währungsreserven. Eine interne Analyse deutet auf bessere Renditen bei gleichbleibendem Risiko hin – trotz hoher Volatilität der Kryptowährung.
Der tschechische Notenbankchef Ales Michl hat am Dienstag (28.4.) erklärt, dass eine Beimischung von Bitcoin zu den offiziellen Währungsreserven die Performance des Portfolios verbessern könnte. Die Aussage ist ein weiterer Hinweis darauf, dass die Notenbank eine Diversifikation in digitale Vermögenswerte ernsthaft prüft.
Zwar sei Bitcoin riskant und sehr volatil, habe sich jedoch als Anlage mit starken Renditen erwiesen, sagte Michl auf der Bitcoin-2026-Konferenz in Las Vegas.
Studie sieht bessere Renditen ohne höheres Risiko
Eine Studie der tschechischen Zentralbank aus dem Februar habe gezeigt, dass ein Modellportfolio mit einem Anteil von einem Prozent an Bitcoin höhere erwartete Renditen erzielen könne, ohne das Gesamtrisiko zu erhöhen. Grund sei die geringe langfristige Korrelation der Kryptowährung mit vielen traditionellen Anlageklassen.
"Wenn man ein solches Asset hinzufügt, kann das gesamte Portfolio besser funktionieren", sagte Michl. "Die Rendite kann steigen, während das Risiko etwa gleich bleibt."
Bitcoin legt zu – bleibt aber unter Rekordniveau
Bitcoin, der rund 60 Prozent der Marktkapitalisierung des Kryptosektors ausmacht, stieg am Mittwoch (29.4.) zeitweise um bis zu 1,9 Prozent auf knapp 77.900 US-Dollar. Seit Beginn des Iran-Kriegs hat die Kryptowährung etwa 18 Prozent zugelegt und damit den S&P 500 mit einem Plus von 3,6 Prozent übertroffen.
Gleichzeitig liegt der Kurs noch rund 40 Prozent unter dem Rekordhoch von mehr als 126.000 Dollar im Oktober.
Große Reserven und strategische Umschichtung
Die tschechische Zentralbank hält gemessen an der Wirtschaftsleistung eines der größten Reserveportfolios weltweit. Dieses beläuft sich auf rund 180 Milliarden Dollar und entspricht etwa 44 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.
Seit Michl 2022 das Amt übernommen hat, wurde der Aktienanteil in den Reserven erhöht und die Goldbestände wurden ausgeweitet.
Testphase mit Kryptowährungen läuft
Im vergangenen Jahr tätigte die Notenbank erstmals einen Kauf von Kryptowährungen im Wert von rund einer Million Dollar. Damit wurde ein Testportfolio aufgebaut, um Erfahrungen mit digitalen Assets zu sammeln.
Diese Bestände – vor allem Bitcoin sowie nicht näher spezifizierte, an den US-Dollar gekoppelte Stablecoins und tokenisierte Dollar-Einlagen – werden getrennt von den offiziellen Währungsreserven gehalten. "Wir werden das zwei Jahre lang testen", sagte Michl. "Dann werden wir die Ergebnisse veröffentlichen. Danach entscheiden wir über die nächsten Schritte."
Michl hatte sich bereits Anfang 2025 erstmals zur möglichen Aufnahme von Bitcoin in die Reserven geäußert. Damals wies EZB-Präsidentin Christine Lagarde die Idee zurück und erklärte, die Kryptowährung sei weder ausreichend liquide noch sicher genug für Zentralbankreserven.
"Ungewöhnliche Kombination" mit Blick auf die Zukunft
Die Verbindung von Bitcoin und Zentralbanken erscheine zwar ungewöhnlich, sagte Michl, doch Notenbanken müssten auch langfristige Entwicklungen berücksichtigen.
"Die meisten bringen diese beiden Dinge nicht zusammen. Ich tue es", sagte er. "In der Geldpolitik muss eine Zentralbank konservativ sein. Aber sie muss auch vorausdenken." (mb/Bloomberg)














