Bitcoin vor schwächstem Monat seit "Krypto-Winter" 2022
Makro-Unsicherheit, ETF-Abflüsse und Druck auf Miner belasten den Kryptomarkt. Bitcoin nähert sich einer entscheidenden Unterstützungszone.
Bitcoin hat seine Talfahrt am Dienstagmorgen (24.2.) fortgesetzt und damit Kurs auf den stärksten monatlichen Rückgang seit den Unternehmenszusammenbrüchen in der Branche vor knapp vier Jahren genommen.
Die älteste Kryptowährung fiel zeitweise um 2,6 Prozent auf 62.858 US-Dollar und notierte um 8 Uhr in London weiterhin nahe 63.000 US-Dollar. Im Februar liegt das Minus nun bei mehr als 19 Prozent. Sollte es dabei bleiben, wäre es die schwächste Monatsperformance seit Juni 2022. Damals hatte der Zusammenbruch des Stablecoin-Projekts "TerraUSD" eine Kettenreaktion ausgelöst, in deren Folge unter anderem der Krypto-Hedgefonds Three Arrows Capital und der Kreditgeber Blockfi kollabierten – eine Phase, die als "Krypto-Winter" in die Geschichte der Branche einging.
Bitcoin steht zudem vor dem fünften monatlichen Rückgang in Folge – die längste Verlustserie seit 2018, einer Phase, die vom Ende des Booms bei Initial Coin Offerings (ICO) geprägt war.

Zölle belasten Risikoanlagen
Der Kursrutsch, der eine seit Oktober andauernde Verkaufswelle fortsetzt, erfolgt vor dem Hintergrund einer globalen Risikoaversion. US-Präsident Donald Trump hatte nach dem Urteil des Supreme Courts angekündigt, auf anderem Weg weltweite Zölle zu erheben; zunächst war dabei von zehn Prozent die Rede, dann von 15 Prozent. Die Entwicklung verunsicherte Investoren und belastete Aktien sowie andere risikoreiche Anlageklassen.
"Die Entscheidung von Präsident Donald Trump, die globalen Zölle auf 15 Prozent anzuheben, hat Risikoanlagen insgesamt erschüttert – und Bitcoin ist mit ihnen gefallen", sagte Rachael Lucas, Krypto-Analystin bei BTC Markets. "Trotz der Erzählung vom 'digitalen Gold' wird Bitcoin weiterhin wie ein Risiko-Asset gehandelt. Wenn die makroökonomische Angst zunimmt, fließt Kapital in traditionelle sichere Häfen. Bitcoin gehört noch nicht dazu."
Seit dem massiven Ausverkauf vor vier Monaten dominiert Risikoaversion den Kryptomarkt, und Bitcoin hat mehrere wichtige Unterstützungsmarken unterschritten.
Druck auf Miner wächst
"Bitcoin bleibt unter Druck, da Investoren Mühe haben, kurzfristig überzeugende Impulse zu erkennen, die die Kurse nach oben treiben könnten", sagte Pratik Kala, Portfoliomanager beim australischen Hedgefonds Apollo Crypto. Kala verwies zudem auf den zunehmenden Druck auf Miner und nannte die Entscheidung von Bitdeer Technologies, sämtliche Bitcoin-Bestände zu veräußern.
"Bei durchschnittlichen Gesamtkosten für das Mining von rund 80.000 Dollar arbeiten viele unterhalb der Gewinnschwelle und dürften auf absehbare Zeit Nettoverkäufer bleiben", sagte er.
ETF-Abflüsse und nächste Marke bei 60.000 Dollar
An US-Börsen gelistete Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten am Montag (23.2.) Abflüsse von mehr als 200 Millionen US-Dollar. Gleichzeitig ist die Nachfrage nach Absicherungen gegen fallende Kurse im Optionshandel laut Daten von Deribit etwa doppelt so hoch wie bullische Wetten. Die nächste wichtige Unterstützung liegt bei 60.000 Dollar – ein Niveau, das Bitcoin Anfang des Monats fast erreicht hatte.
Bitcoin nähert sich zudem seinem 200-Wochen-Durchschnitt bei 58.503 Dollar, schrieb Tony Sycamore, Analyst beim Online-Broker IG Australia, in einer Studie. Ob der Kurs darüber bleibe – wie noch Anfang Februar –, könnte darüber entscheiden, ob sich die Preise stabilisieren. Ein Rückgang unter die Unterstützungszone von 58.000 bis 60.000 Dollar "würde wahrscheinlich den Weg für einen tieferen Rückschlag ebnen", schrieb Sycamore.
Nach drei Tagesverlusten in Folge hat Bitcoin am Mittwoch (25.2.) zwar um bis zu 3,5 Prozent auf zeitweise 66.300 Dollar zugelegt. Allerdings spiegelt die Aufwärtsbewegung "wahrscheinlich eine gewisse Schnäppchenjagd nach dem anhaltenden Ausverkauf wider", meint Caroline Mauron, Mitgründerin des Finanz- und Technologieunternehmens Orbit Markets. Ein Umschwung im Marktumfeld sei indessen erst mit dem Erreichen der 70.000-Dollar-Marke zu erwarten.
Gesamtmarkt ebenfalls unter Druck
Auch der gesamte Kryptomarkt steht unter Druck. Die Marktkapitalisierung aller Kryptowährungen sank laut dem Krypto-Datenanbieter Coin Gecko zwischen Montag (23.2.) und Dienstag um mehr als 120 Milliarden Dollar. Ether, die zweitgrößte Digitalwährung, fiel am Dienstag zeitweise um 2,8 Prozent auf 1.812 Dollar. (mb/Bloomberg)















