Der Ausbruch des Coronavirus fordert immer mehr Todesopfer. Innerhalb einer Woche hat sich die Zahl der Verstorbenen auf knapp 1.800 mehr als verdoppelt. Offiziell sind mehr als 70.000 Menschen mit der neuartigen Lungenkrankheit COVID-19 infiziert, und langsam werden die ersten Folgen für die Wirtschaft sichtbar – und zwar nicht nur in China, wo das Virus seinen Ursprung hat. "Am Freitag könnten die Einkaufsmanagerindizes erste Anzeichen dafür liefern, dass sich COVID-19 auch außerhalb von China bemerkbar macht", sagt Blackrock-Chefstratege Martin Lück.

Für Europa und die USA rechnen Analysten nach den Aufwärtsentwicklungen der vergangenen Monate nun mit einem leichten Rückgang bei den Industrieindikatoren. Für die deutsche Industrie, die seit längerem in der Rezession steckt, dürfte der Index auf unter 45 zurückfallen. Lück sieht darin ein klares Zeichen dafür, dass "den deutschen Unternehmen ihre starke Chinaabhängigkeit nun überproportional auf die Füße fallen könnte."

Bewährungsprobe für China
Chinas Wirtschaft dürfte durch die Krankheit in diesem Jahr um mindestens einen halben Prozentpunkt langsamer wachsen, schätzt der Experte – also nur um etwa 5,2 Prozent statt der üblicherweise erwarteten 5,7 Prozent. Viele kleine Unternehmen, vor allem in Wuhan und Umgebung aber zunehmend auch in weiteren Teilen des Landes, stehen vor dem Ruin.

"Die Kommunistische Partei in Peking wird tief in die Subventionskiste greifen müssen, um massenhafte Firmenpleiten abzuwenden und den Nachfrageausfall zu kompensieren", sagt der Stratege. Er hält es für möglich, dass sich COVID-19 zur bedrohlichsten Krise in der bisherigen Regentschaft von Präsident Xi Jinping auswächst. (fp)