Der Sieg des demokratischen Kandidaten Joe Biden bei der US-Wahl und die Erfolgsmeldungen diverser Unternehmen bei der Entwicklung eines Impfstoffs gegen Covid-19 haben Anleger rund um den Globus in Champagnerlaune versetzt. Kein Wunder: "Beide Events markieren Wendepunkte und schüren die Hoffnung auf eine bessere Zukunft nach Donald Trump und Covid-19", sagt Blackrock-Kapitalmarktstratege Felix Herrmann. Sie versprechen eine Zukunft mit mehr Gesundheit, mehr Einigkeit, mehr Gerechtigkeit, mehr Wachstum und vor allem: mehr Planbarkeit.

Dass beide Meilensteine nahezu zeitgleich die Schlagzeilen dominieren, steigert diesen Effekt noch. Garniert wird das positive Marktumfeld dazu von der Aussicht auf mehr Unterstützung seitens der Zentralbanken, und auch die Fiskalpolitik dürfte sich nochmal ins Zeug legen. "In den USA hat in diesem Zusammenhang die Nominierung von Janet Yellen als neue Finanzministerin die Stimmung weiter gehoben", erklärt Herrmann. Erstens, weil so klar ist, dass Elizabeth Warren – das Gespenst der Finanzmärkte – kein Teil des Kabinetts wird. Und zweitens, weil Yellen eine klare Befürworterin von umfangreichen Corona-Hilfen ist und zugleich ein gutes Verhältnis mit vielen Republikanern pflegt. "Das schürt Hoffnungen auf eine rasche Verabschiedung eines weiteren umfangreichen Konjunkturpakets Anfang 2021".

Positive Überraschungen möglich
Den Strategen überrascht es deshalb kaum, dass Anleger mit dem November einen der besten Aktienmonate überhaupt verbuchen konnten. Und für die Kapitalmärkte könnte es weiter bergauf gehen: Bevorstehende Risikoevents wie der Brexit bieten jedenfalls laut Herrmann mehr Aufwärts- denn Abwärtspotential. Der Grund: Auf ein Scheitern der Verhandlungen dürfte jedes Unternehmen, das vom Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union betroffen ist, vorbereitet sein. Sollte bei den Brexit-Verhandlungen dagegen doch noch ein Deal herausspringen, dürfte dies "zahlreiche Anleger positiv überraschen", sagt Herrmann. (fp)