Die Corona-Krise hat China schwer getroffen. Das wurde auch auf dem jährlichen Volkskongress deutlich, als Ministerpräsident Li Keqiang auf die ansonsten übliche Verkündung des Wachstumsziels für das laufende Jahr verzichtete. "Zu wenig absehbar erscheinen die Aussichten, zu groß die Gefahr, an den selbst gesetzten Maßstäben zu scheitern", analysiert Martin Lück, Kapitalmarktstratege bei Blackrock.
 
Interessant ist, was Li stattdessen ankündigte – nämlich wachstumsfördernde Initiativen wie Investitionen in die digitale Infrastruktur sowie Steuererleichterungen und subventionierte Kredite für die Privatwirtschaft, die inzwischen für rund 60 Prozent des chinesischen Wachstums steht. In Summe entsprechen die Maßnahmen aber nur rund 3,6 Prozent der Wirtschaftsleistung, eine im Vergleich mit den USA und Europa eher zurückhaltende Größenordnung, erklärt Lück.

Chinas Aufstieg zur Supermacht
Kaum verborgen blieb dem Strategen zufolge auch der Anspruch der Kommunistischen Partei, Chinas Aufstieg zur Weltmacht weiter voranzutreiben. "Die Corona-Krise, die man erst verursachte, aus der man dann aber eher wieder herauskam als der Rest der Welt, dient hier genauso als willkommene Gelegenheit wie die Führungsschwäche Amerikas", sagt Lück. Unausgesprochenes aber klares Ziel sei es, eine den USA ebenbürtige Schlagkraft zu erreichen. So kündigte die Führung eine Steigerung der Militärausgaben um 6,6 Prozent im Jahr 2020 an. "Niemand soll China künftig noch von der Wahrung seiner Interessen abhalten können, vor allem in Ostasien, aber auch in Afrika und im Mittleren Osten", sagt der Stratege. (fp)