Aktien von soliden, substanzstarken Qualitätsunternehmen sind bei Anlegern derzeit äußerst beliebt. Martin Lück, Kapitalmarktstratege beim Vermögensverwalter Blackrock, mahnt jedoch zur Vorsicht: Es ist nicht nur die verzögerte wirtschaftliche Erholung Europas gegenüber anderen Teilen der Welt, die ihn an der Nachhaltigkeit der Value-Wende zweifeln lässt. Auch die Wette auf weiter steigende Zinsen bereitet dem Anlagestrategen Sorgen. 

Zuletzt seien die Zinsen zwar in der Tat gestiegen, um über 70 Basispunkte seit Jahresbeginn bei der zehnjährigen US-Staatsanleihe. Aber: Wie stark können sie noch steigen? Werden Zentralbanken die Aussichten auf einen wirtschaftlichen Neustart nach der Covid-Krise, der zudem durch eine extrem expansive Fiskalpolitik begleitet wird, voll auf die mittel- und längerfristigen Zinsen durchschlagen lassen? Oder werden sie sich dagegenstellen? "Sollten die Zinsen weniger stark ansteigen als die Inflation, entfällt ein wichtiger Teil des Vorteils, den Value- gegenüber Wachstumsaktien typischerweise in einer Phase wirtschaftlicher Belebung aufweisen", sagt Lück.

Asien läuft Europa den Rang ab
Hinzu kommen weitere Risikofaktoren wie die Neuverkabelung der Globalisierung, also die veränderte Rolle Chinas in der Welt. "Gerade die Fokussierung Chinas auf sich selbst, die unter anderem auf eine stärkere Selbstversorgung im Bereich von Industriegütern abzielt, könnte sich auf Sicht nachteilig gerade für europäische Value-Unternehmen auswirken", sagt Lück. Vor allem bei der Digitalisierung hat Asien Europa den Rang abgelaufen. "Die Phase, in der Value vor dem Hintergrund einer zyklischen Erholung günstig aussieht, könnte also noch kürzer sein, als es traditionell im Aufschwung aus einer Rezession der Fall wäre", so der Stratege. (fp)