Die vierte Corona-Welle dürfte der DACH-Region und besonders Deutschland in Sachen Wirtschaftswachstum einen Strich durch die Rechnung machen, erwartet Martin Lück, Leiter Kapitalmarktstrategie bei der Investmentgesellschaft Blackrock. Im globalen Vergleich dürften die hiesigen Unternehmen im Jahr 2022 erneut zurückfallen, vermutet er. Schuld sei vor allem die verfehlte Corona-Politik in Deutschland: "Plan- und führungslos schlingert Europas größte Volkswirtschaft im Covid-Sturm", moniert Lück. "An vielen Stellen wünscht man sich einen präsenteren Staat, oder zumindest eine handlungsfähige Regierung."

So habe Berlin es aus Sicht des Vermögensexperten versäumt, konsequent 2G-Regeln zu beschließen oder Superspreading in Bus und Bahn durch 3G-Regeln zu unterbinden. Die wiedereingeführten kostenlosen Bürgertests hält Lück für ein Geschenk an Impfmuffel. Ein weiteres Armutszeugnis sind aus seiner Sicht erneute Impfstoff-Engpässe. Dies werde gerade bei "früh mit Astra Zeneca geimpften Senioren vermutlich über den Winter zu Tausenden von schweren Verläufen und Todesfällen führen, die allesamt vermeidbar gewesen wären".

Inflation bald Höhepunkt erreicht
Ebenfalls gruselig war der Blick auf die Inflationszahlen in den USA im Oktober. So haben die Verbraucherpreise dort um 6,2 Prozent zugenommen. Lück schlussfolgert, dass die Teuerung Verbraucher diesseits und jenseits des Atlantiks noch eine Weile begleiten wird, bald jedoch ihren Höhepunkt erreicht hat. In Europa rechnet der Finanzprofi nicht mit einer Lohn-Preis-Spirale. 

Und: Solange die Zentralbanken mit Zurückhaltung reagieren, dürften die Realzinsen weiterhin niedrig bleiben. "Dies trägt dazu bei, dass der Ausblick für reale Anlageformen, darunter Aktien, Gold oder Immobilien, auch bei zunehmendem Gegenwind positiv bleibt", sagt Lück. (fp)