Wer dem alten Börsenspruch "Sell in May and go away" folgt, könnte in diesem Jahr falsch liegen. Davon ist jedenfalls Stephan Kemper, Chefstratege im Wealth Management von BNP Paribas, überzeugt. Die Fakten sprechen seiner Meinung nach eine völlig andere Sprache.

Starker April setzt starkes Signal
Der S&P 500 legte im April um 10,42 Prozent zu und lenkt damit seiner Meinung nach die Saisonalität in eine andere Richtung. "Historisch folgen auf April-Monate mit mehr als fünf Prozent Plus außergewöhnlich starke Renditen bis zum Jahresende", sagt Kemper.  Die durchschnittliche Rendite für den Rest des Jahres lag sogar bei beachtlichen 12,51 Prozent – bei einer Gewinnwahrscheinlichkeit von 80 Prozent.

Fundamentaler Treiber der positiven Marktdynamik bleibe die enorme Investitionstätigkeit. Zu Jahresbeginn lagen die Schätzungen für die Capex der US-Hyperscaler für 2026 noch bei 590 Milliarden Dollar. Inzwischen kalkuliert der Markt mit rund 860 Milliarden Dollar. Kemper sagt: "Das entspricht in etwa den gesamten Investitionsausgaben aller Nicht-Technologieunternehmen im S&P 500 des Jahres 2025."

Mehr Chancen als Risiken
Der Markt wäge diesen KI-Boom permanent gegen die Gefahren rund um die Straße von Hormus und die globalen Energiemärkte ab. Das Pendel schlage aber zugunsten der KI aus. Für Kemper zu Recht: Der April 2026 habe dank einer historisch starken Performance weitere Kaufsignale geliefert. Besonders gute Chancen sieht Kemper bei KI-Infrastrukturwerten. (jh)