Vor rund zwei Jahrzehnten platzte die Dotcom-Blase und riss die Finanzmärkte rund um den Globus in den Abgrund. Droht nun analog zu diesem Debakel ein "Greentech-Crash"? Andrew Parry von Newton Investment Management, einer Fondsboutique unter dem Dach von BNY Mellon, sieht dafür klare Anzeichen. "Die Erholung von der Covid-19-Krise wird die umweltfreundlichste wirtschaftliche Erholung aller Zeiten sein", sagt er. "Es ist Liquidität im Übermaß vorhanden, und Investoren drängen in die Bereiche erneuerbare Energien, Elektrofahrzeuge, natürliche Lebensmittel, soziale Inklusion und Kreislaufwirtschaft." Parrys Meinung nach ist für dieses zweifelsohne wichtige Investmentthema allerdings zu viel Geld auf dem Markt für zu wenige auf Dauer profitable Geschäftsmodelle.

Ein Warnsignal ist, dass Anleger oft in die Unternehmen mit den besten Geschichten investieren, jedoch nicht in die mit den belastbarsten Geschäftsstrategien. Nicht zuletzt deshalb hat die Bewertung vieler beliebter ESG-Titel inzwischen ein extrem hohes Niveau erreicht. Mit den nachweisbaren Fundamentaldaten der jeweiligen Anlagen haben die Bewertungen teils nicht mehr viel zu tun, sagt Parry. "Eine überschießende Nachfrage ist nie gut für eine rationale Preisbildung bei Wertpapieren", warnt er. 

Nicht alle werden überleben
Der Anlageexperte misst nachhaltigen Geschäftsmodellen durchaus eine große Bedeutung zu. Ebenso wie zu Beginn der Internet-Ära werden aber nicht alle Unternehmen den Boom überleben. Ein Börsencrash könnte erst recht dafür sorgen, dass viele Firmen vom Markt gefegt werden. "Egal, wie groß das Interesse für nachhaltiges Investieren ist: 'Grün' ist keine hinreichende Grundlage für den Erfolg eines Unternehmens", mahnt Parry aus diesem Grund. Seiner Ansicht nach sollten Anleger den Geschäftsmodellen und Bewertungen ihrer Investment-Kandidaten mehr Beachtung schenken: "Die Marktrealität kennt kein Pardon." (fp)