BoE warnt: KI-Risiken für Finanzstabilität nehmen zu
Künstliche Intelligenz gewinnt im Finanzsektor rasant an Bedeutung – aus Sicht der Bank of England könnten daraus neue Gefahren entstehen.
Der zunehmende Einsatz künstlicher Intelligenz (KI) im Finanzsektor könnte sich rasch beschleunigen und zu einer Bedrohung für die Finanzstabilität werden, warnt die Bank of England (BoE). Zugleich verwies sie auf das Risiko, dass die Technologie Schocks in den Private-Credit-Märkten auslösen könnte – mit breiteren Folgen.
Im ersten Update seit dem Ausbruch des Kriegs im Iran am 28. Februar erklärte der Finanzstabilitätsausschuss der BOE zudem, die daraus resultierenden Störungen hätten einen "erheblichen negativen Angebotsschock" für die Weltwirtschaft ausgelöst. Dieser werde "das Wachstum belasten, die Inflation erhöhen und die Finanzierungsbedingungen verschärfen".
Unsicheres Umfeld durch geopolitische Spannungen
"Der Konflikt hat das globale Umfeld deutlich unberechenbarer gemacht und folgt auf eine Phase bereits erhöhter globaler Risiken", so die BoE. Die endgültigen Auswirkungen hingen von "Dauer, Ausmaß und Folgen" des Kriegs ab. Mehrere Schwachstellen könnten "gleichzeitig wirksam werden".
Die Notenbank hatte bereits mehrfach vor dem destabilisierenden Potenzial von KI gewarnt, unter anderem vor "deutlich überdehnten" Bewertungen, die breiteren Finanzstress auslösen könnten.
Finanzbranche vor stärkerem KI-Einsatz
Bislang hätten britische Finanzinstitute die Risiken fortgeschrittener KI höher eingeschätzt als deren Nutzen – mit der Hoffnung, diese Einschätzung würde sich mit Fortschritten bei der Technologie ändern. Die Risiken dürften zunehmen, möglicherweise schnell, da Finanzunternehmen ihre Nutzung fortgeschrittener KI ausweiten wollen, so die BoE.
Besonders relevant seien die Risiken im Zahlungsverkehr und an den Finanzmärkten. KI könne etwa Betrug nicht ausreichend erkennen oder Märkte anfälliger für abrupte Korrekturen machen.
Abflüsse im Private-Credit-Segment
Die britische Notenbank brachte KI auch mit jüngsten Mittelabflüssen im Private-Credit-Segment in Verbindung. "Sorgen über mögliche Störungen durch KI" hätten eine Welle von Rücknahmen ausgelöst, da verunsicherte Anleger Kapital abzogen.
"Stress, der von diesen Publikumsfonds ausgeht, könnte auf andere Teile der Private-Credit- und Private-Equity-Märkte sowie auf korrelierte Anlageklassen übergreifen", so die Notenbank. Dies könne Refinanzierungen und zusätzliche Kreditvergabe erschweren. Gleichzeitig betonten die Währungshüter, dass sich Märkte, Haushalte, Unternehmen und Banken bislang als widerstandsfähig erwiesen hätten.
Weitere Risiken im Finanzsystem
Die BoE verwies zudem auf Risiken, die durch den Zusammenbruch des spezialisierten Hypothekenanbieters MFS sichtbar wurden. Große Banken seien mit Engagements in Höhe von mehreren Hundert Millionen Pfund betroffen.
Der Fall verdeutliche die Gefahren von "hoher Verschuldung, schwachen Kreditvergabestandards, mangelnder Transparenz, überoptimistischen Bewertungen und komplexen Strukturen".
Belastung für Haushalte nimmt zu
Die Hypothekenzinsen steigen bereits in Erwartung von Zinserhöhungen infolge des Iran-Kriegs. Daten der BoE zufolge werden bis Ende 2028 zusätzlich 1,3 Millionen Menschen mit höheren Rückzahlungen konfrontiert sein.
Der Ausschuss erklärte, dies erhöhe den Druck auf Haushalte und Unternehmen, betonte jedoch zugleich, dass die Gesamtverschuldung niedrig sei. Dies deckt sich mit Daten des Statistikamts ONS, die historisch hohe Ersparnisse der Haushalte zeigen.
Rekordhoch bei geopolitischen Risiken
In ihrer halbjährlichen Umfrage zu systemischen Risiken – deren Datenerhebung zwölf Tage vor Ausbruch des Iran-Kriegs endete – stellte die BoE fest, dass geopolitische Risiken ein Rekordniveau erreicht haben. Gleichzeitig zeigten sich die Befragten weiterhin zuversichtlich hinsichtlich der Stabilität des britischen Finanzsystems. (mb/Bloomberg)















