Börsenhistorie analysiert: Was folgt auf ein negatives Auftaktquartal?
Im Januar markierten S&P 500 und Dax noch Rekordhochs. Doch dann ging den Kursen die Puste aus – und seit dem Ausbruch des Iran-Kriegs weisen die Charts klar nach unten. Lässt sich der Trend nun für den Rest des Jahres fortschreiben? Stephan Kemper von BNP Paribas zieht Lehren aus der Geschichte.
Ein schlechter Start ins Jahr sollte Anleger am Aktienmarkt nicht völlig verunsichern, war in der Vergangenheit aber häufig ein Vorbote für ein insgesamt unerfreuliches Börsenjahr. Zu diesem Ergebnis kommt Stephan Kemper, Chefinvestmentstratege im Wealth Management der französischen Großbank BNP Paribas. Er untersuchte die Performance von drei großen Aktienindizes seit Mitte der 1970er Jahre (Dax und S&P 500) respektive seit 1987 (Stoxx Europe 600).
Kempers Analyse zufolge ist ein Fehlstart keine Seltenheit: Etwa in jedem dritten Jahr (zwischen 30 und 37 Prozent der Fälle) wiesen die genannten Indizes nach den ersten drei Monaten des Jahres ein rotes Vorzeichen aus. Deutliche regionale Unterschiede macht der Kapitalmarktstratege aber mit Blick auf die Comeback-Qualitäten aus: Während der amerikanische S&P 500 nach einem negativen ersten Quartal das Jahr immer noch in über der Hälfte der Fälle (52,6 Prozent) im Plus beendete, gelang das dem europäischen Stoxx 600 nur jedes vierte Mal. Der Dax liegt mit einer Erfolgsquote von 47,1 Prozent zwischen diesen beiden Extremen.
Die Wall Street gibt den Takt vor
"Diese Zahlen unterstreichen den deutlich zyklischeren Charakter der europäischen Aktienmärkte", meint Kemper. "Der breite europäische Markt reagiert auf einen Fehlstart äußerst empfindlich. Wer hier nach einem schwachen ersten Quartal auf ein starkes Restjahr wettet, stellt sich klar gegen den historischen Trend."
Der Investmentprofi weist auf eine weitere wichtige Erkenntnis seiner Analyse hin: In Krisenjahren nimmt der Gleichlauf an den Märkten zu. Falle das erste Quartal im S&P 500 negativ aus, springe die ohnehin hohe Korrelation zwischen den USA und Europa nochmals spürbar an. "Die Vorstellung, dass sich europäische Aktien in einem schwierigen globalen Umfeld abkoppeln können, widerlegt die Historie eindrucksvoll", so Kemper. "Wenn der US-Markt im ersten Quartal stolpert, bekommt Europa verlässlich die Grippe."
Aktien sind langfristig eine "beeindruckende Erfolgsgeschichte"
Der BNP-Banker betont aber auch, dass die Aktienmärkte langfristig eine "beeindruckende Erfolgsgeschichte" schreiben: "Der S&P 500 und der Dax beenden knapp drei Viertel aller Kalenderjahre im Plus, mit durchschnittlichen Jahresrenditen von rund zehn Prozent", rechnet er vor. "Doch diese grundlegende Zuversicht wird bei einem negativen ersten Quartal massiv auf die Probe gestellt." (bm)




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